Die Menschen meiner Lebensgeschichte – Charakterentwicklung im autobiografischen Schreiben

Charakterentwicklung

Anekdoten sammeln sich viele an im Rahmen eines Menschenlebens. Geschichten, die man mit anderen Menschen erlebt hat: Mit Freunden, Familie, Arbeitskollegen oder Nachbarn. Wer seine Lebenserinnerungen aufschreibt, sammelt Informationen darüber, wer diese Menschen waren, wie sie waren und was sie für das eigene Leben bedeutet haben. Wie man diese Erfahrungsschätze aufbereiten kann, beschreibt dieser Blogpost.

Zum Geburtstag verwöhnte mich meine Oma mit köstlicher Buttercremetorte, der Nachbar Herr Tischler polierte immer samstags sein Auto drei Stunden lang, die goldenen Ohrringe der Lehrerin Frau Rüschel bebten, wenn sie schimpfte. Fragmente wie diese bleiben in Erinnerung. Wer ausgewählte Charaktere in seiner Autobiografie beleuchten möchte, kann in der Recherchephase solche Fragmente in Personenakten zu Portraits zusammenfügen. Dazu legt man sich einfach für alle wichtigen Menschen seines Lebens je eine solche „Akte“, also ein Blatt, eine Karteikarte oder ein kleines Heft an. Da hinein kommen z.B. …

·         Beschreibungen des Äußeren, also Kleidung, Haare, Schuhe, Duft, Hände, Haut etc.

·         Bilder, Briefe oder sonstige Dokumente zu diesem Menschen und

·         Erinnerungen an typische Handlungen, Blicke, Aussprüche und Zitate, Marotten, Hand- und Körperbewegungen der jeweiligen Person.

Meine Lieblingsschreibübung in diesem Zusammenhang heißt „Regieanweisung“. Stellen Sie sich vor, Sie beschreiben einem Schauspieler, wie er zu sein hat, wenn er z.B. den autoputzenden Nachbarn, Ihren Vater oder Ihren ehemaligen Chef spielen soll. Schreiben Sie nur ca. 10-15 Sätze dazu. Ich habe hier als Beispiel Regieanweisungen zusammengestellt, wenn man wie ein Hund sein soll, mit dem ich das Vergnügen hatte, in meiner Kindheit einige Ferienwochen zu verbringen:

Wie sie sind, wenn Sie der Hund Bessie sind

·         Freuen Sie sich geschlagene 10 Minuten durch Ganzkörperwedeln, niesen, schnüffeln, wenn Herrchen oder Frauchen nach Hause kommen.

·         Wenn Frauchen mit dem Staubsauger durch die Wohnung geht, setzen Sie sich demonstrativ davor und lassen Sie sich intensiv mit der Polsterbürste absaugen.

·         Verbringen Sie so viele Stunden wie möglich mit Nickerchen in der Sonne.

·         Segnen Sie Ihre Umgebung gleichmäßig mit Ihrem kurzen prägnanten Boxerfell, das so schön im Teppich hängen bleibt.

·         Wenn es ans Spazierengehen geht, versuchen Sie die Leine zu schnappen und verleihen Sie Ihrer Vorfreude unübersehbar Ausdruck.

·         Zur Essenszeit schlecken Sie demonstrativ den leeren Napf aus. Suchen Sie intensiven Blickkontakt zu Herrchen oder Frauchen.

·         Kleiden Sie sich durchgängig in kurzem, braun-schwarz gestromten Fell mit einem weißen Fleck auf der Brust.

·         Wedeln Sie.

·         Beschützen und lieben Sie Kinder!

·         Strafen Sie Frauchen oder Herrchen mit Nichtachtung nach mehrtägiger Abwesenheit.

·         Begegnet Ihnen eine unbekannte, unsympathische Person oder ein verdächtiger Artgenosse, stellen Sie die Rückenhaare zum Kamm auf und bellen Sie. Tun Sie so, als wären Sie ein Rottweiler.

·         Wedeln Sie und zeigen Sie ohne Unterlass Ihre Dankbarkeit für Streicheleinheiten.

Eigentlich ganz einfach. Und führt zu amüsanten, prägnanten Personen- bzw. Hundebeschreibungen. Anregungen zur Charakterentwicklung kann man sich aus zahlreichen Anleitungen aus der Welt des literarischen Schreibens holen, z.B. bei diesen Links:

http://www.schriftsteller-werden.de/charakterentwicklung/charaktere-erschaffen/

http://werde-autor.forumo.de/tipps-und-tricks-zum-schreiben-f31/deine-charaktere-t10.html

http://www.leixoletti.de/theorie/charaktere.htm

http://www.literatur-welten.de/schreiben-lernen/69-figuren-erfinden

http://www.andreaseschbach.de/schreiben/fragen/charaktere/charaktere.html

http://autorwerden.net/tipps-interessantere-charaktere/

Schließlich werden Personen in einer Biografie meist so dargestellt, dass die Ähnlichkeit zu lebenden Personen nicht nachvollzogen werden kann. Da gehört schon eine Prise Fiktion dazu.

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