#guteZusammenarbeit und warum interne PR eine immer wichtigere Rolle spielen wird

Wer sie erlebt hat weiß, welche enorme positive Wirkung sie für die Unternehmen und die Menschen, die darin arbeiten, hat: #guteZusammenarbeit! Vor 24 Jahren habe ich in einer Firma gearbeitet, die über eine besondere Unternehmenskultur verfügte, gerade deshalb liegt mir #guteZusammenarbeit so am Herzen. Zehn Gründe, warum alle Manager jetzt darüber nachdenken müssen und mit welchen Werkzeugen die interne PR von morgen arbeiten wird – darüber lesen Sie in meinem Beitrag zu der Blogparade „Was macht Zusammenarbeit richtig gut?“ von Angelika Neumann. Weiterlesen

Die Werte-Serie, Teil 2: Wie man Werte sichtbar macht – Interview mit der Kunstexpertin Petra Becker

MARTIN NOËL, Serie: JOHN
MARTIN NOËL, Serie: JOHN

Kunst zeigt Wertschätzung, symbolisiert Werte, schafft Vermögenswerte. Kunst inspiriert aber auch, bringt die Kommunikation in Schwung und motiviert zu Innovationen. Weil Kunstberatung und Vermittlung seit vielen Jahren die Passion von Petra Becker ist, habe ich sie für den zweiten Teil meiner Werte-Serie interviewt, um von ihr zu erfahren, wie die Werte eines Unternehmens optimal durch Kunst und Kultur transportieren können.
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Werte-Serie, Teil 1: Warum Werte „To-Go“ nicht funktionieren

Werte

Hier ein bisschen Umweltschutz, da ein bisschen Diversity, Frauen, Kunst und Kultur, derzeit sind viele PR-Abteilungen mit dem Thema „HR und Flüchtlinge“ beschäftigt. Immer wieder beweist sich: Wer bei seiner Öffentlichkeitsarbeit ohne kommuniziertes und gelebtes Wertesystem agiert, erzielt weder Glaubwürdigkeit, noch nachhaltige PR-Effekte. Sieben Gründe für eine Werte-Entwicklung und was der Werte-Index 2016 damit zu tun hat.
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Neun Kostbarkeiten erfolgreicher Agenturen-Versteher

Agenturenversteher

Gestern in München, Downtown, Univiertel. Eine blonde A-Klasse-Fahrerin nimmt mir den Parkplatz weg, sehr dreist. Ich – das Landei aus dem Reich der 1000 Parkplätze – wundere mich über diese Vorgehensweise. Später, beim Frühstücksei mit meiner sehr geschätzten Kollegin, wundern wir uns nicht nur über Autofahrersitten in München, Werteverlust im Allgemeinen, sondern auch darüber, wie Unternehmen heute mit Dienstleistern umgehen. Wie man sich erfolgreich PR- oder Marketing-Agenturen und externe Kreative zu Fans macht, zeigen die neun Erfolgsstrategien versierter Agenturen-Versteher.

Eine sehr erfahrene Marketingfrau brachte es vor kurzem bei einer gemeinsamen Tee-/Kaffeestunde auf den Punkt: Den meisten Firmen ist es ziemlich egal, was Dienstleister aus den Bereichen Marketing, PR, Text usw. über sie denken. Anders lassen sich viele Verhaltensweisen nicht erklären. So berichtete sie über abgegebene Angebote, auf die nie ein Feedback kommt, also weder ein Ja noch ein Nein. Dabei musste das Angebot natürlich innerhalb von zwei Stunden nach der Anfrage fertig sein. Manche berichten davon, dass zwar eine Ideen-Präsentation beim potentiellen Neukunden stattgefunden habe, dieser aber die Umsetzung der Ideen im eigenen Haus vorgezogen habe. Ohne Honorar für die Ideen.

Aus meiner Erfahrungskiste: Pitch-Honorare oder Auslagenerstattung finden de facto nicht mehr statt. Warum für etwas bezahlen, wenn für jede Agentur, die sich an solchen Draufzahlaktionen nicht beteiligen möchte, zwei nachwachsen, die selbstverständlich kostenlos ihre Konzepte präsentieren? Ein weiteres Fundstück aus dem Fundus der Erfahrungen, die Agenturen nicht brauchen: Verwirrende Informationen über den Pitch-Ablauf, die Teilnehmer, die Mitbewerber, die Bewertungskriterien. Und FachkollegInnen, die sich für Festanstellungen bewerben, berichten z.B. nicht nur vom Fehlen des guten alten Wir-haben-Ihre-Bewerbung-erhalten-Schreibens, sondern auch von der völligen Abkehr des Zurücksendens der Bewerbungsunterlagen.

Und was bleibt? Ein fader Nachgeschmack, Unzufriedenheit, eine Sehnsucht nach Werten, die uns unsere Eltern beigebracht haben: Zuverlässigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Fairness, Freundlichkeit, Humor, Respekt. Hab ich was vergessen? Eigentlich ist es doch ganz einfach, eine Agentur oder einen Bewerber – ob mit Zu- oder Absage – auf seine Seite zu ziehen? Schließlich begegnet man sich doch immer mindestens zweimal im Leben, oder? Hier unsere acht goldenen Regeln für Agenturen-Versteher, die’s drauf haben:

1.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 1: Seien Sie ehrlich! – Sagen Sie, was Sache ist: Stand des Projekts, Ja oder Nein, Feedback von den Abteilungen, Ihr Zeitplan, wo sind Hindernisse, was die Agentur noch tun kann, wie hoch ist das Budget wirklich. Nutzen: Nur wenn die Agentur alle Rahmenbedingungen kennt, kann sie ihr ganzes Know-how für den Kunden ausspielen. Optimaler Informationsfluss = Optimales Arbeitsergebnis! Und: Keiner kommt sich hinterher „nicht ganz ernst“ oder „auf den Arm“ genommen vor, denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!

2.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 2: Seien Sie zuverlässig! Sie erwarten Zuverlässigkeit von Ihrem Dienstleister, dann gehen Sie als leuchtendes Vorbild voran! Halten Sie Zusagen, Briefings und vereinbarte Zeitpläne ein. Stehen Sie zu Verträgen. Sorgen Sie für pünktliche Zahlungen. Ändern Sie nicht jede Woche Ihre Meinung, das Konzept oder die Rahmenbedingungen. Nutzen: Sie haben einen auch im nächsten Jahr noch finanziell starken Agentur-Partner an Ihrer Seite, der pünktlich seine Mitarbeiter und Ihre Projekte finanzieren kann. Sie sind ein Kunde, den die Agentur unbedingt behalten will, auch wenn ein Riesenprojekt von einem anderen Kunden droht. Und: Wenn Sie nur mal in Ausnahmefällen die Richtung kurzfristig ändern, wird sich das auf Toleranzbasis wahrscheinlich weniger auf die Rechnung niederschlagen, als wenn das Ihr grundsätzliches Arbeitsprinzip ist.

3.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 3: Denken Sie WinWin! Gestalten Sie die Zusammenarbeit im Hinblick auf eine Win-Win-Situation in allen Bereichen: Geld, Know-how, Erfolg, Referenzen etc. Vergessen Sie das Motto „Ich diktiere die Bedingungen, weil ich Auftraggeber bin!“ oder „Das ist ganz allein mein Erfolg!“. Nutzen: Agenturen sind Multiplikatoren.

4.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 4: Seien Sie fair! – Die Leistung der Agentur entspricht nicht Ihren Anforderungen? Bleiben Sie fair und geben Sie dem Dienstleister eine zweite Chance. Nutzen: Sie können von einer Lernkurve profitieren und einen guten Kreativen behalten. Sie lernen, Ihr Briefing zu optimieren. Sie haben mehr Spaß miteinander. Der Kreative ist motivierter, denn er/sie möchte Sie als Kunden behalten.

5.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 5: Seien Sie höflich! – Sie kennen das Schild? „Eine Tasse Kaffee: 3 Euro – Eine Tasse Kaffee, bitte: 1,50 Euro.“ Und: Ihr Ansprechpartner in der Agentur hat auch einen Feierabend und möchte vielleicht nur einen von sieben Abenden pro Woche mit Conference Calls mit Ihren amerikanischen Kollegen verbringen. Nutzen: Höflichkeit ist eine Münze, die nur den bereichert, der sie ausgibt, sagen die Chinesen.

6.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 6: Reden Sie! – Schon oft sind beim Warten auf den nächsten Pressetermin bei einer Messe die besten Ideen für die nächste Kampagne  entstanden! Smalltalk erzeugt Content, das hat sich in meiner Erfahrung immer wieder gezeigt. Man erzählt sich vom letzten Marketing Meeting – Oh, in diese Kampagne passen wir mit unserer PR-Aktion besser, wenn wir alles im Oktober machen – oder der letzten Vertriebsversammlung – Oh, dieser Kunde liefert uns eine wunderbare Fallstudie! Reden schafft besseres Kennenlernen und baut eine Vertrauensbasis auf. Die intensivste und erfolgreichste Zusammenarbeit ergab sich meiner Erfahrung nach immer für die Kunden, die die Agentur als Teil ihres Teams betrachteten. Nutzen: Mehr Ansatzpunkte für die Ideenentwicklung, besseres Verständnis der Problemstellungen auf Seiten der Agentur.

7.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 7: Pflegen Sie Humor! – Jumi Vogler ist Expertin für Spitzenleistungen und Humor als Erfolgsstrategie. In ihren mitreißenden, klugen und humorvollen Vorträgen zeigt sie, wie Führung mit Begeisterung Spitzenleistungen erzielt und Humor als Erfolgsstrategie Wachstum schafft. Wie das geht? Ihr Buch „Erfolg lacht! Humor als Erfolgsstrategie“ zeigt Ihnen den Weg. Nutzen: Lachen entspannt, Kreativität wächst.

8.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 8: Zeigen Sie Respekt! Kreativität ist etwas Wertvolles. In der Entwicklung eines Slogans, eines Messagings, einer PR-Strategie steckt mehr Energie, als alle denken. Ja, ja, ich weiß, jeder Vertriebsleiter kann natürlich viel besser Texte schreiben, und wie gehen Sie eigentlich die Journalisten an? Kennen Sie eigentlich den Chefredakteur von…? Ersparen Sie Ihrer Agentur diese Fragen. Sie kosten nur Zeit und Nerven. Schützen sie das Intellectual Property Ihres Marketings. Loben Sie Ihre externen Kreativen. Nutzen: Wer anerkannt wird, ist motiviert. Wer motiviert ist, bringt noch bessere Leistung. Und geht gerne die Extra-Meile für seine Kunden!

9.       Agenturen-Versteher-Erfolgsstrategie Nummer 9: Pflegen Sie Innovation! – Wenn Du willst, was Du noch nie gehabt hast, dann tu, was Du noch nie getan hast: Bringen Sie innovative Elemente in die Zusammenarbeit: Der lustige Dienstagnachmittag mit Brainstorming. Meetings an ungewöhnlichen Orten. Reviews mit lustigen Gästen. Reports mit dem ungewöhnlichen Befund des Monats. Der tägliche Witz. Halten Sie Workshops ab, die die Innovation vorantreiben. Nutzen: Sie lernen, die Agentur lernt. Beide Seiten sind inspiriert und versuchen, den Erfolg auf neuen Wegen herbeizuzaubern.

Kennen Sie weitere Kostbarkeiten für Agentur-Versteher?

Vielfalt als Thema – Fünf Fragen der PR an das Diversity Management

Diversity Management

Der enorme Erfolg einer Anzeige von General Motors in einem amerikanischen Schwulenmagazin zeigt, dass die geschickte Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen die Außenwirkung eines Unternehmens deutlich nach vorne bringen kann. Aber auch im Bereich der internen Kommunikation verspricht Diversity Management gute Erfolge.

Bei der Olympiade an der Tagesordnung: Viele Fahnen, Hautfarben, Kulturen. Doch wie sieht’s im eigenen Unternehmen aus? Diversity Management verfolgt das Ziel, soziale Vielfalt konstruktiv zu nutzen, die individuelle Verschiedenheit der Mitarbeiter hervorzuheben und sie für den Unternehmenserfolg zu nutzen. Dadurch soll eine produktive Gesamtatmosphäre entstehen, soziale Diskriminierungen von Minderheiten sollen verhindert und die Chancengleichheit verbessert werden. Unterschiede beziehen sich  z.B. auf Geschlecht, Ethnie, Alter und Behinderung oder auf die sexuelle Orientierung, Religion und Lebensstil.

Diese Disziplin, meist in den Händen der HR-Abteilung, spielt mittlerweile in vielen deutschen Unternehmen eine wichtige Rolle. So haben laut einer  Studie von Roland Berger Strategy Consultants rund 95 Prozent der Firmen gezielte Programme zur Förderung bestimmter Mitarbeitergruppen wie Frauen, älterer Mitarbeiter oder Kollegen mit ausländischer Herkunft. Die Unternehmen erhoffen sich Vorteile, wie etwa besseren Zugang zu neuen Märkten oder die Möglichkeit, Talente zu gewinnen und zu behalten. Trotzdem beschränken sich 80 Prozent der Firmen ausschließlich auf die Förderung von Frauen, so die Studie weiter. Weitere wichtige Aspekte wie die Integration älterer Mitarbeiter kommen bei den meisten zu kurz.

Die Investitionen in Diversity Management lohnen sich: Laut Roland Berger-Experten liegt das jährliche Einsparpotenzial für die deutsche Wirtschaft bei rund 21 Milliarden Euro, wenn die Firmen Maßnahmen zur Unterstützung der Mitarbeitervielfalt systematisch vorantreiben. Gut ausgebildete Mitarbeiter können langfristig an das Unternehmen gebunden werden; dadurch sinken Mitarbeiterfluktuation und die damit verbundenen Kosten.

Die Befunde sprechen für sich. Höchste Zeit also für PR-Manager, die sich damit noch nicht beschäftigt haben, mit den HR-Kollegen einen Termin zu vereinbaren. Die folgenden fünf Fragen spielen bei diesem Gespräch z.B. eine Rolle:

  1. Ist der Wert „kulturelle Vielfalt“ in den Unternehmenswerten verankert?
  2. Wie wirkt sich die Betonung unserer kulturellen Vielfalt auf das Unternehmensimage aus?
  3. Wo haben wir Vielfalt in unserem Unternehmen: Bei Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern, Niederlassungen?
  4. Good PR begins at home: Wie kann interne PR das Diversity Management unterstützen?
  5. Multikulti findet neue Kunden: Welche Zielgruppen wollen auf welchen Wegen mit welchen Botschaften adressiert werden?

Weitere wichtige Fragen, Literaturtipps und Hintergrundinfos liefert die Broschüre „Diversity Management als Chance für kleine und mittlere Betriebe“ und kann hier kostenlos heruntergeladen werden. Und wer ein bisschen Inspiration benötigt, kann derzeit bei ZDF Neo erforschen, wie unterschiedliche Kulturen – u.a. ein Halbvulkanier, ein Schotte, ein Japaner, ein Russe und eine Afrikanerin –  in den unendlichen Weiten unserer Kommunikationszukunft  erfolgreich zusammenarbeiten. ..

Werte sind immer im Wandel – Fünf Fragen an die Spezialistin für interkulturelle Wirtschaftsethik Prof. Dr. Simone Rappel

Prof. Dr. Simone Rappel

Prof. Dr. Simone Rappel ist Diplomtheologin, Religionswissenschaften M.A. und interkulturelle Trainerin/Coachingfrau. Als langjährige Führungskraft im Management einer der größten Non-Profit-Organisationen weiß sie, was es heißt, interkulturell zu verhandeln und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Weil sie sich auf interkulturelle Wirtschaftsethik spezialisiert hat, wollte ich von ihr wissen, wie sich Werte hier und im Ausland unterscheiden.

Simone, als Professorin hältst Du Vorlesungen in Moraltheologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Wie sehen die Studenten heute das Thema Werte?

Prof. Dr. Simone Rappel: „‘Werte müssen gelebt werden und dürfen kein Lippenbekenntnis sein.‘ Das ist das erste, was die Studierenden sagen. Gerade die Wirtschaftskrise hat bewusst gemacht, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen, die Folgen des Tuns zu bedenken und für Fehler einzustehen. Ethik ist zunehmend gefragt. Anstand, Maßhalten, Ehrlichkeit, Redlichkeit und Integrität zählen. Die Aussage Josef Ackermanns bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank, dass es letztlich kein Geschäft wert sein dürfe, den Ruf und die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens aufs Spiel zu setzen, wurde positiv registriert und als Hinweis für ein gutes Management verstanden. Das Bewusstsein wächst, dass Werte Grundlage für Wertschöpfung sind. Großes Interesse gibt es bei den Themen Compliance und Wertemanagement. Die Studierenden begreifen, dass sich der gute Ruf eines Unternehmens ganz entscheidend darüber definiert, welche Werte gelten und wie sie gelebt werden. Werte gehören für viele aus der Reihe künftiger Führungskräfte ganz selbstverständlich zu einer guten Unternehmens- und Führungskultur dazu. Viele möchten später einmal bei einem Unternehmen arbeiten, das einen gelebten Wertecodex vorweist.“

Findet Deiner Meinung nach tatsächlich ein Wertewandel statt oder leben wir heute nur die Werte, die Generationen vor uns bereits hatten?

Prof. Dr. Simone Rappel: „Werte sind immer im Wandel. Auffallend ist, dass überall auf der Welt zu allen Zeiten von allen Kulturen Werte ausgebildet wurden. Diese sind Leitplanken eines guten Handelns, das ein gedeihliches Zusammenleben in Recht und Ordnung, in gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung ermöglicht. Herrscher zum Beispiel wurden nach einem bestimmten Wertekanon erzogen, egal ob in China, in Indien oder in den Machtzentren der griechisch-römischen Antike. In Westeuropa waren es die klassischen, in der griechischen Philosophie gelehrten Tugenden, die durch den Einfluss des Christentums als erzieherisches Ideal galten: Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, das Wissen um das rechte Maß und schließlich die Klugheit. Dazu kamen später die bürgerlichen Sekundärtugenden, die nicht unwesentlich vom protestantischen Arbeitsethos geprägt sind: Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Pflichtbewusstsein.

Vor nicht allzu langer Zeit waren Tugenden und Werte überhaupt nicht populär. Sie galten als antiquiert, rochen miefig, wurden mit kleinkariertem Denken gleichgesetzt und standen unter Verdacht, die Freiheit des Menschen zu gängeln. Nicht selten wurden die Kirchen mit ihrer Moralpredigt als nicht erwünschte Sittenwächter und Spaßverderber abgetan. Was sollte schon gut sein an Maßhalten, wo ich mich doch aus der Fülle grenzenlos bedienen kann? Warum soll man die Wahrheit sagen, wenn der Ehrliche der Dumme ist. Heute gehen Manager in Klöster und denken über das rechte Maß nach. Das rechte Maß an Arbeit und Freizeit, die Work-Life-Balance, das rechte Maß an Managergehältern, das rechte Maß an Gewinnmaximierung, wenn es Menschen den Arbeitsplatz kostet. Das Nachdenken um Werte und Tugenden boomt. Man entdeckt in ihnen Sinnstiftung und Wegweisung. Es ist eine Entdeckung alter Weisheit, die auf unseren Kontext hin neu durchbuchstabiert und dadurch auch weiter entwickelt wird.“

Du trainierst viele Führungskräfte für die Kommunikation mit Kollegen im Ausland, vor allem für den Einsatz in Indien. Wie unterscheiden sich unsere Werte von denen anderer Länder?

Prof. Dr. Simone Rappel: „Werte sind von der Kultur geprägt. Die klassischen Tugenden der Wahrhaftigkeit, der Gerechtigkeit, des Maßhaltens und der Klugheit lassen sich überall finden. Sie sind unterschiedlich geprägt. Das heißt: Werte können von ganz unterschiedlichen ideologischen Positionen her gefüllt werden und brauchen diese Vielfalt, um im jeweiligen Kontext gelebt zu werden. Als Hindu, Muslim, Christ und Atheist kann man, egal an welchem Ort der Welt man lebt, zu der Erkenntnis kommen, dass Menschen menschenwürdig leben sollen oder die Umwelt zu schützen ist. Das Ergebnis ist das gleiche, der Weg dorthin ein anderer. Die Herausforderung, um diese Vielfalt zu managen,  besteht vor allem im Hören aufeinander und in der Achtsamkeit auf die Erkenntnisse und Weisheiten der jeweils Anderen. Das erfordert eine Haltung des Respekts, der Andersheit in seiner Andersheit wahrnimmt und sich auf der Basis der Gegenseitigkeit auseinandersetzt.“

Kannst du uns konkrete Beispiele geben, wie sich das im Alltag zeigt?

Prof. Dr. Simone Rappel: „In der Tat ist in der Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen vieles zunächst befremdlich. Andere Länder, andere Sitten. Dabei ist gerade interessant, was für Werthaltungen hinter den unterschiedlichen Verhaltensmustern stehen. Der Westen ist vom Individualismus geprägt. Ich-dominiert. Meine Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Dagegen überwiegt in den asiatischen Ländern das Gemeinschaftsbewusstsein. Der einzelne muss seine Bedürfnisse unterordnen.

Konkret heißt das zum Beispiel: In Indien sind quer durch alle Gesellschaftsschichten hindurch 95% aller Ehen arrangiert. Wir heiraten aus Liebe und gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass wir uns unseren Partner selbst aussuchen. In Indien ist es Aufgabe der Eltern, für ihre Kinder einen passenden Partner zu finden. Ich fragte einmal eine gut ausgebildete Frau aus reicher Familie, ob es sie denn nicht störe, verkuppelt zu werden. Im Gegenteil, sagte sie. Meine Eltern lieben mich und ich kann sicher sein, dass sie mir den besten Mann aussuchen. Im Hintergrund steht das unterschiedlich bewertete Gewicht von Ich und Wir. In Indien und anderen kulturell ähnlich tickenden Ländern haben viele Familien kein Problem mit Dumpinglöhnen oder Kinderarbeit. Hauptsache einer hat Arbeit und kann mit dem Geld seine Familie versorgen. Egal, unter welch schwierigen Bedingungen er schuftet. Da fällt es schwer mit Vorschriften zum Arbeitsschutz zu kommen.

Ein anderes typisches Feld, wo sich die Kulturen unterscheiden, ist die Bewertung von Hierarchie und Status. In Indien ist ein Top-Down-Führungsstil angesagt mit einem starken Boss an der Spitze, der alles anweist und kontrolliert. So bekommen zum Beispiel IT-Ingenieure von ihrem Vorgesetzten täglich eine E-Mail, was sie genau an diesem Tag zu tun haben. Nicht, dass sie es nicht wüssten. Nein, sie warten auf diese Anweisung, mit der ihr Chef Interesse an ihrer Arbeit zeigt. So ein Führungsstil passt zu einer Gesellschaft, die Kasten kennt und Unterschiede betont. Da hat jeder genau das zu tun, was für ihn vorgesehen ist. Nicht mehr und nicht weniger. Deutsche Führungskräfte bringt so etwas auf die Palme. Sie sind eher konsensorientiert und packen schon mal an, wenn es eng wird. Würde in Indien der Chef das benutzte Geschirr selbst vom Konferenztisch wegräumen, schnell mal Kaffeekochen oder auch eine Lieferung aufräumen, die gerade angekommen ist,  hätte er sein Gesicht verloren. Er tut nach indischem Maßstab etwas, was nicht seine Aufgabe ist.

Ein Klassiker hinsichtlich unterschiedlicher Wertpräferenzen ist das Zeitverständnis. Wir ticken linear. Unserer Vorstellung nach gibt es ein gestern, ein heute und ein morgen. In Hindi gibt es ein und dasselbe Wort für gestern und morgen: kal. Versucht man es zu übersetzen, dann trifft am ehesten die Bedeutung: Nicht jetzt. Nicht jetzt kann in vieles heißen. Eine Eindeutigkeit fehlt. Sie erschließt sich erst aus dem Kontext. In Indien herrscht ein zyklisches Zeitverständnis, eingebettet in die Vorstellung, dass das Leben in einem Kreislauf von Wiedergeburten besteht und es spätestens im nächsten Leben eine neue Chance gibt. Daraus resultieren ganz andere Vorstellungen von Pünktlichkeit und Verbindlichkeit.“

Welcher ist Dein Lieblingswert?

Prof. Dr. Simone Rappel: „Mein Lieblingswert ist Integrität. Damit meine ich Echtheit, Authentizität, Verlässlichkeit. Reden und tun müssen übereinstimmen. Im Englischen gibt es das schöne Wort: ‚Walk your talk!‘ Das hat für mich mit Glaubwürdigkeit zu tun. Ich kann anderen nichts abverlangen, wozu ich selber nicht bereit bin. Dazu passt ein Satz von Mahatma Gandhi: ‘Be the change you want to see in others!’ Nicht meckern und klagen, sondern selber schauen, was zu tun ist und dann andere mit gutem Beispiel überzeugen.“

Vielen Dank!

Grillgespräch: Journalisten wollen Fleisch – Fünf Fragen an den Chefredakteur Karl Fröhlich

Karl Fröhlich
Karl Fröhlich

Karl Fröhlich ist Chefredakteur der Online-Publikation www.speicherguide.de und Co-Produzent des YouTube-Kanals Motoren & Mehr. Im Jahr 2003 verfassten wir zusammen das Buch „Pocket Business: Public Relations“ für den Cornelsen Verlag, das 2008 in der zweiten Auflage erschien. Am Wochenende unterhielten wir uns beim Grillen über das, was sich Journalisten von den Pressestellen und PR-Agenturen wirklich wünschen.

Karl, 2003 haben wir unser PR-Buch zusammen geschrieben. Was hat sich für Dich als Journalist in Sachen PR seither verändert?

Im Vergleich zu damals steckte das Internet quasi noch in den Kinderschuhen. Heute gibt es viel mehr Inhalte. Durch Blogs sehen sich viele Nicht-Journalisten auch als eine Art Reporter. Über Social Media haben viele Unternehmen zudem die Möglichkeit intensiver mit ihren Kunden zu kommunizieren. Jedes Print-, Hörfunk- und TV-Medium hat jetzt auch interaktive Online-Angebote, die die LeserInnen mit Ihren Tablet-PCs und Smartphones überall lesen, sehen und hören können. Es sind zahlreiche neue Formate entstanden, wobei ich speziell die mediale Entwicklung im Bereich Tablets und eMagazine noch am Anfang sehe. Social Media hilft uns Medienschaffenden den Dialog und die Vernetzung mit unseren Lesern sowie den Playern in unserer Branche zu intensivieren.

Das Panda-Update von Google wie auch das aktuelle Penguin-Update hat die Arbeit der Online-Publikationen stark verändert: Gleiche Inhalte filtert die Suchmaschine einfach heraus. Im Prinzip sind Online-Journalisten gezwungen, PR-Materialien stark umzuschreiben und verstärkt selbst verfasste Inhalte zu publizieren. Dies gilt grundsätzlich auch für PR-Leute, die aufhören müssten, Pressemitteilungen im Gießkannenprinzip, z.B. über kostenlose Presseportale, zu streuen. Sie sollten ihre Botschaften besser den jeweiligen Schlüsselmedien anpassen und mit interessanten Zusatzinfos bzw. Recherchequellen anreichern. Hier habe ich aber keine große Hoffnung, dass dies von den PR-Leuten erkannt und umgesetzt wird. Gleichzeitig bleibt vielen Kollegen aber gar nicht die Zeit, lange an eine Geschichte hinzurecherchieren.

Wie sieht das mit stillen und bewegten Bildern aus?

Bei den meisten Marketing-Abteilungen ist es noch nicht angekommen, dass das Internet ein Medium der Bilder und Videos ist. Vielen Pressestellen im In- und Ausland fehlt es am Grundwissen, der Erfolg von Portalen wie Flickr oder Pinterest und allen voran YouTube entgeht den meisten. Nach wie vor stehen uns noch zu wenige aussagekräftige, kreative Bilder und Infografiken zur Verfügung. Hier besteht großer Nachholbedarf. Das Paradies des Journalisten ist ein offener Online-Bereich, in dem wir auf einen Klick Zugang z.B. zu Presseinformationen in Deutsch, Bildern, Management-Biografien, Videos, Präsentationen und Ansprechpartnern haben. Die Autoindustrie ist hier schon bedeutend weiter.

Spielen Werte im Kontakt mit den Unternehmen eine Rolle?

Wir erleben die unterschiedlichsten Dinge. Versuchte Einflussnahme auf die Berichterstattung und Drohungen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite erleben wir gewachsene, fruchtbare und langjährige Beziehungen zu PR-Fachleuten und Firmensprechern auf der anderen Seite. Hier spielen die Werte Ehrlichkeit, Fairness und Engagement eine große Rolle. Und natürlich die jeweiligen Persönlichkeiten, mit denen wir zu tun haben. Oft erleben wir, dass Ansprechpartner von Pressestellen im Ausland oder von großen, internationalen Agenturen uns nicht optimal informieren können, weil sie mit unserem Markt, kulturellen Anforderungen und lokalen Marktbedürfnissen nicht vertraut sind. Vollkommen unverständlich ist für mich, dass speziell US-Vertreter immer noch nicht gelernt haben, dass sich deutsche bzw. europäische Journalisten nicht mit dem platten Marketing-Blabla abspeisen lassen, wie die amerikanischen Kollegen. Wir machen sehr gute Erfahrungen mit Fachleuten, die die deutschen IT-Landschaften und natürlich auch die Bedürfnisse der Leser und Journalisten hier gut kennen.

Mit welchen Angeboten sind PR-Leute bei Journalisten willkommen?

Mit Fleisch, also mit wirklich relevanten Sachen: Mit gut recherchierten, exklusiven Fachartikeln und Fallstudien, die lokale Marktgegebenheiten berücksichtigen. Mit kreativen Informationskampagnen, die die Medien auch als Werbeträger voran bringen. Mit Marktzahlen, die Deutschland, Europa und weltweite Märkte vergleichen. Mit respektvollen PR-Ansprechpartnern, die ein Nein als Nein akzeptieren, sich am Telefon kurz fassen, die auch zuhören können. Die uns Materialien liefern, die in Text und Bild für unsere Leser ansprechend und interessant sind. Und mit Gesprächspartnern, die authentisch sind und sich wirklich gut auskennen. Für mich ist immer wichtig, dass das Thema passt. Ein vermeintliches Exklusiv-Interview interessiert mich zum Beispiel erstmal gar nicht.

In einem amerikanischen Blog sagt Adam Singer, Product Marketing Manager bei Google: “You don’t need media anymore – go directly to consumers.” Focus Online schreibt über die Software Narrative Science, die aus strukturierten Daten Artikel über Baseballspiele oder Quartalszahlen produzieren kann. Werden wir bald keine Journalisten mehr brauchen?

Journalisten wird es immer geben, denn eine neutrale, objektive Berichterstattung ist weiterhin notwendig. Für die Verbraucher wird das Internet immer unübersichtlicher durch eine Fülle von Blogs, Kampagnen-Webseiten oder Pseudo-Events. Die Glaubwürdigkeit der Informationsquellen ist oft schwer zu überprüfen. Die Informationsflut ist durchaus schwer zu bewältigen – Medien werden aber nach wie vor genutzt. Für die Presse wird mehr denn je das Motto gelten „get big, get niche or get out“. Für Journalisten wird es künftig schon schwieriger sich zu behaupten. Schreiben alleine wird in eine paar Jahren eventuell nicht mehr ausreichen, wir werden uns auch mit Moderation und Video beschäftigen müssen. Gleichzeitig ist es für jedermann durchaus machbar, sich mit einer guten Idee und guten Inhalten ohne großen Verlag im Hintergrund zu etablieren. YouTube sehe ich hier noch als ein unerschlossenes Betätigungsfeld. Bereits jetzt schaltet ein großer Teil des werberelevanten Publikums um 20 Uhr nicht den Fernseher ein, sondern schaut sich YouTube-Inhalte an. YouTube liegt bei den Zuschauerzahlen auf Rang 3 in der so genannten Primetime. Eine Tendenz, die an Journalisten, Pressestellen und auch Werbeagenturen noch komplett vorbeigeht…

Vielen Dank, lieber Karl, und guten Appetit!

Grillen