Die Werte-Serie, Teil 2: Wie man Werte sichtbar macht – Interview mit der Kunstexpertin Petra Becker

MARTIN NOËL, Serie: JOHN

MARTIN NOËL, Serie: JOHN

Kunst zeigt Wertschätzung, symbolisiert Werte, schafft Vermögenswerte. Kunst inspiriert aber auch, bringt die Kommunikation in Schwung und motiviert zu Innovationen. Weil Kunstberatung und Vermittlung seit vielen Jahren die Passion von Petra Becker ist, habe ich sie für den zweiten Teil meiner Werte-Serie interviewt, um von ihr zu erfahren, wie die Werte eines Unternehmens optimal durch Kunst und Kultur transportieren können.

Im ersten Teil der Werte-Serie haben wir gesehen, dass in der PR von Unternehmen Werte „To-Go“ keinen Platz haben. Werte stehen für Langfristigkeit, für wahrhaft Gelebtes, Gewachsenes. Viele Unternehmen haben in Rahmen ihrer Corporate Social Responsibility in den vergangenen Jahren Kunst und Kultur gefördert. Doch um die Kunst erfolgreich ins Unternehmen zu holen, braucht es die Kunst, das Management, die Mitarbeiter, Kunden und die richtigen Künstler klug miteinander zu vernetzen und in Interaktion zu bringen.

Denn nur wenn die Sammlungen, die sog. Corporate Collections, aus den Depots und Tresoren heraus ans Licht geholt werden, in Museen, den Firmengebäuden oder in den Wohnzimmern der Mitarbeiter zum Leben erweckt werden, dann entstehen die gewünschten PR-, HR- und Marketing-Effekte für ein Unternehmen.

Eine Expertin, die täglich Unternehmenswerte in Kunst übersetzt, ist Petra Becker. Seit vielen Jahren findet sie sehr erfolgreich für internationale und national-agierende Unternehmen die Kunst und die Künstler, die zu den jeweiligen Marken, Führungs- und Unternehmenspersönlichkeiten passen.

Petra Becker

Petra Becker macht aus Managern Kunstsammler, aus Firmen Mäzene, Sponsoren und Kunstförderer. Sie arbeitet Wert-orientiert, findet das passende Kulturkonzept, verbindet Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Installationen, Architektur, Design, Musik und Theater mit dem, was ein Unternehmen ausmacht.

Liebe Petra, was tut Kunst für Unternehmen?
Petra Becker: „Die Methoden des Kunsteinsatzes in Unternehmen sind so vielfältig wie die Kunst selbst.

Primär ist die Kunst ein relevanter Mehrwert in der Unternehmenskultur und vor allem ein Innovationsfaktor.

Der individualisierte Kunsteinsatz im Unternehmen kann auch zu einem Differenzierungsmerkmal gegenüber anderen Marktteilnehmern, also zu einem klaren Wettbewerbsvorteil, beitragen.

Kunst im Unternehmen ist zudem eine sehr gute Investition in die Förderung von Motivation und Kreativität der Mitarbeiter und kann so auch zu einer stärkeren Bindung von Mitarbeitern an das Unternehmen führen.

Für die Mitarbeiter hat der Kunsteinsatz meiner Erfahrung nach einen sehr hohen Stellenwert, da sie hierdurch große Wertschätzung erfahren.

Ferner kann der Kunsteinsatz im Unternehmen zur unternehmerischen Imagepflege und Kommunikation im Rahmen eines zeitgemäßen Marketings genutzt werden. Das Image des Unternehmens wird hierbei sowohl nach außen als auch unternehmensintern gepflegt.

Und nicht zuletzt kann Kunst ebenso einen Vermögenszuwachs für ein Unternehmen darstellen.“

Wann ist das Engagement für Kunst und Kultur besonders erfolgreich?
Petra Becker: „Kunst im Unternehmen funktioniert genau dann, wenn sie von der Firmenleitung glaubwürdig vorgelebt und im Unternehmen implementiert ist.
Sie entfaltet dann ihr volles Potential, wenn Unternehmen im Vorfeld ein maßgeschneidertes, individualisiertes Kunstkonzept auf Basis der jeweiligen Unternehmenskultur, -politik und –architektur entwickeln lassen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine offene Kommunikation, bei der von Anfang an die Ziele und Motive des Kunsteinsatzes, insbesondere bei den Mitarbeitern, klar kommuniziert und akzeptiert werden.

Kunst ist keine Eintagsfliege, deshalb ist Kontinuität beim Kunst-Engagement ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Unternehmen.

Und: Kunst ist so lebendig wie ein Unternehmen: Deshalb ist ein Kunst-Projekt nie fertig und unterliegt kontinuierlicher Weiterentwicklung.“

Gibt es gute Beispiele?
Petra Becker: „Es gibt zahlreiche und sehr bemerkenswerte Beispiele, z.B.:
1. B. Braun Melsungen AG: dort ist Kunst ein Bekenntnis zur Modernität, ein integraler Bestandteil der Unternehmenskultur und wichtiger Innovationsfaktor. Dieses Bekenntnis wird hervorragend in ca. 50 Ländern, in denen B. Braun Melsungen weltweit vertreten ist, gelebt.
2. Würth GmbH & Co. KG: auch hier wird die Kunst als integraler Bestandteil der Unternehmenskultur gesehen. Bei Würth wird man über die Kunst an das Unternehmen und dessen Kultur herangeführt.
3. Taunus Sparkasse: Kunst ist ein gelebtes Kernelement im Rahmen einer sehr stark am Mitarbeiter, Kunden und der Region ausgerichteten Unternehmenskultur. Zeitgenössische Kunst ist in der Taunus Sparkasse Impuls- und Ideengeber und vernetzt Mitarbeiter und deren Kunden.“

Gibt es ganz typische Situationen, bei denen sich die Unternehmen von Kunst begleiten lassen?
Petra Becker: „Einige Unternehmen suchen die Nähe zur Kunst, wenn es ihnen gut geht. Andere Unternehmen suchen sie gerade dann, wenn sie sich im Wandel befinden. Dazu gehören z.B. Umstrukturierungsprozesse, Mergers und Acquisitions, die Erschließung neuer Geschäftsfelder, eine umfassende Veränderung, der Umzug von Standorten, personelle Veränderungen oder auch ein Wertewandel.

In allen diesen Fällen bietet Kunst im Unternehmen ein wirksames Instrumentarium, um diese Veränderungen zu begleiten und zu einem einheitlichen Unternehmensauftritt – sowohl intern wie auch extern – zu verhelfen. Der reine Kunsterwerb ist eine Sache. Bringt man aber durch entsprechende Workshops mit Mitarbeitern und mit Kunden durch Kunst den Dialog in Schwung, profitieren nicht nur der Human Resources-Bereich, sondern auch die Organisationsentwicklung von einer stärkeren Bindung an das Unternehmen, einer höheren Motivation und einer Stärkung der Innovationskraft.“

Was rätst Du jedem CEO?
Petra Becker: „Meine fünf Gebote für den erfolgreichen Einsatz von Kunst und Kultur in Unternehmen lauten:
1. Das Kunst-Engagement authentisch vorleben.
2. Motive und Zielsetzung für den Kunsteinsatz im Unternehmen festlegen.
3. Ein individualisiertes und maßgeschneidertes Kunstkonzept entwickeln lassen.
4. Eine offene Kommunikation, unternehmensintern, wie auch -extern pflegen.
Und:
5. Kontinuität beweisen!“

Vielen Dank, liebe Petra!
Über Petra Becker:
Petra Becker bietet ganzheitliche Beratung bei der Auswahl und dem Bezug von Werken und Sammlungen zeitgenössischer Kunst für Unternehmen, Institutionen und Privatsammler. Im Mittelpunkt stehen der Mehrwert und der Innovationsfaktor der Kunst für das jeweilige Unternehmen und die Abstimmung auf die Unternehmenskultur, -politik und -architektur. Sie schlägt Brücken zwischen Sammlern und Künstlern, um den positiven Effekt des direkten Dialogs zu fördern. Sie ergänzt ihr Angebot mit der Verknüpfung von geeigneten Marketing-, PR- und Event-Aktivitäten, z.B. Vernissagen, Finissagen, Künstlergesprächen und Podiumsdiskussionen, wie auch individualisierten Workshopangeboten, u.a. zur Mitarbeitermotivation und –bindung.
http://www.internationalartbridge.com

Ein Kommentar zu “Die Werte-Serie, Teil 2: Wie man Werte sichtbar macht – Interview mit der Kunstexpertin Petra Becker

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: