CSR 2015 – jetzt schon die Fragen der Kunden von morgen beantworten – Interview mit Prof. Dr. Claudia Wöhler

Immer mehr Unternehmen bekommen Anfragen zum Thema Corporate Social Responsibility. So manchen Geschäftsführer, PR- oder Marketingverantwortlichen erwischen solche Fragebögen auf kaltem Fuß. Ich habe die CSR-Expertin Prof. Dr. Claudia Wöhler gefragt, welche Gedanken sich Unternehmen machen müssen, um gut vorbereitet zu sein.

Eine Expertin in Sachen Zukunftsfähigkeit ist sie: Als Beraterin für nachhaltiges Wirtschaften unterstützt Prof. Dr. Claudia Wöhler kleine und mittelständische Unternehmen dabei, sich weiter zu entwickeln, trotz zunehmender Regulierung und dem wachsenden Druck der Öffentlichkeit. Die promovierte Volkswirtin, die auch als Dozentin an der FOM Hochschule für Management und Ökonomie tätig ist, hat nun einen Fragebogen kreiert mit den wichtigsten Punkten, die Unternehmen in Bezug auf Corporate Social Responsibility für sich beantworten sollten.
Dr. Claudia Woehler

Claudia, was hat Dich bewegt, so einen Fragebogen zusammenzustellen:
Prof. Dr. Claudia Wöhler: „Immer häufiger werden auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aller Branchen gefragt, was sie denn für ihre Mitarbeiter tun, wie sie sich in der Gesellschaft und für soziale Belange engagieren und wie sie mit den natürlichen Lebensgrundlagen, Energie oder Abfall umgehen. Oft ist dann das Fragezeichen groß und Antworten müssen erst mühsam im Betrieb zusammengesammelt werden.“

Worauf sollen die Unternehmen achten?
Prof. Dr. Claudia Wöhler: „Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Unternehmen darauf achtet, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, geringe Krankenquoten zu haben und auch die Kosten für Energie, Wasser, Material oder Entsorgung gering zu halten. Viele KMU engagieren sich außerdem in der Region, sind zertifiziert und in Netzwerken aktiv. Hier einige Bausteine zu formulieren, aussagefähige Daten und Fakten zusammen zu tragen und sich Ziele für die Zukunft zu setzen, sichert die Zukunftsfähigkeit eines Betriebs – sowohl im Wettbewerb um gutes Personal wie auch um geringe Kosten und hochwertige Produkte. Wichtig ist vor allem, dass die Resultate glaubwürdig sind und nicht als ‚Marketingsprech‘ degradiert werden.“

Was wird sich in Sachen CSR in 2015 tun?
Prof. Dr. Claudia Wöhler: „Im Sommer 2014 wurde auf europäischer Ebene der finale Beschluss gefasst, dass große Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr nur über ihre ökonomischen Aktivitäten öffentlich berichten müssen. Die Berichterstattungspflicht wurde ausgeweitet, so dass Großunternehmen von öffentlichem Interesse auch über ökologische und soziale Themen und ihre Wirkungen auf Umwelt und Soziales berichten müssen. Nun mag es erstmal so aussehen, als wären dann die kleinen Betriebe fein raus. Doch die Berichterstattungspflicht erstreckt sich auch auf die Zulieferer der Großen – und außerdem wissen wir ja, dass die Größenkriterien zur Berichterstattung mit Sicherheit in den kommenden Jahren sinken werden und in naher Zukunft fast alle Unternehmen ihre sozialen und ökologischen Aktivitäten also ihre CSR – Corporate Social Responsibility transparent veröffentlichen müssen.“

Welche Werte liegen im Trend?
Prof. Dr. Claudia Wöhler: „Die Aussagen sind widersprüchlich. Es zeigt sich immer wieder, dass nach unvorhersehbaren Ereignissen und Umweltkatastrophen der Ruf nach mehr Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit lauter wird.“

Ist das nur was für große Unternehmen?
Prof. Dr. Claudia Wöhler: „Nein, gerade aufgrund ihrer Unternehmerbezogenheit und der vielfachen Traditionsverbundenheit ist CSR gerade etwas, das KMU prägt – auch wenn der Begriff politisch und auf internationalem Parkett formuliert wurde, sind vor allem KMU diejenigen, die seit jeher Unternehmensverantwortung leben. Unabhängig von dem Begriff CSR ist es meines Erachtens ein Selbstverständnis gerade von KMU, dass sie sich über ihre Zukunft Gedanken machen und über das aktuelle Geschäftsjahr hinaus, ihre individuelle CSR prägen und leben. Nur darüber reden, sollten viele noch lernen.“

Rechnet sich CSR?
Prof. Dr. Claudia Wöhler: „Wenn ich es als Teil der Unternehmensstrategie betrachte und nicht als PR-Maßnahme, trägt CSR maßgeblich zum nachhaltigen Erfolg eines Betriebes bei, denn mit ihr lassen sich Kosten senken, Mitarbeiter binden, Personal gewinnen und hochwertige Produkte, Dienstleistungen und Innovationen generieren.“

Wo sollte man CSR aufhängen?
Prof. Dr. Claudia Wöhler: „Immer direkt an der Unternehmensführung, nur dann kann sie Teil der originären Unternehmensstrategie sein und glaubwürdig nach innen und außen getragen werden.“

Vielen Dank!

Den Fragebogen von Prof. Dr. Claudia Wöhler können Sie hier unter  Checkliste CSR herunterladen.
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2 Kommentare zu “CSR 2015 – jetzt schon die Fragen der Kunden von morgen beantworten – Interview mit Prof. Dr. Claudia Wöhler

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