Was Schreibende von einem Vocal Coach lernen können

Seminar Liz HowardIch atme ein. Und ganz langsam aus. Liz Howard sagt: “Geniiiiiiiiiieße es!“ Und das tue ich auch. Ein Vocal Coach trifft einen Schreibcoach: Letzte Woche hatte ich das große Glück, bei der genialen Sängerin Liz Howard, die u.a. schon zwei Kandidaten in der Casting-Show X-Faktor durch ihr Vocal Coaching zum Sieg führte, ein Stimm- und Ausdruckstraining zu besuchen. Ein Traum. Gelernt habe ich nicht nur, dass meine Stimme ganz anders klingen kann, als ich das so von ihr kenne, sondern auch, dass die Disziplinen Schreiben und Singen weit mehr als nur die Anfangsbuchstaben gemeinsam haben.

Ein kleiner Engel steht auf meinem Kopf. Liz hat ihn dort hingesetzt, damit ich meinen Kopf so halte, dass sich meine Stimme optimal entfalten kann. Beuge ich den Kopf nach hinten, enge ich meine Stimme ein, der Engel würde herunter fallen. Ich lache, als ich mich mit dem kleinen Kerl auf dem Kopf im Spiegel anschaue. Liz ist ein großer Engel. Sie schafft es, dass sich meine Stimme zeigt, sich ganz anders anhört, laut und wahrnehmbar wird und sie mit ihr spielen will. Ganz leicht, mit viel Humor, spielerisch.

Liz schafft das nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen Top-Managern, die sie seit vielen Jahren in Sachen Stimme coacht. Der neue Focus der stimmgewaltigen Amerikanerin, die über eine klassische Gesangsausbildung verfügt: GIG. Das steht für „Get in gear and GIG with Liz Howard“ und ist ein Leadership-Trainingskonzept, das sich für Unternehmen aller Größen, als motivierendes Kickoff und für Eventagenturen eignet. GIG beginnt mit einer musikalischen Keynote mit der Band von Liz. Am nächsten Tag spielen dann die Teilnehmer selbst und erfahren wertvolle Impulse für die Kompetenz „Leadership“. Ein Turbo in Sachen Teambuilding: Die Teilnehmer verlassen ihre Komfortzone, wenn sie auf der Bühne stehen. Und wer hat als Kind nicht davon geträumt, ein Rockstar zu sein – nur für ein ganz kurzen Moment?

Vocal Coach Liz Howard (r.) trifft Schreibcoach Daniela Heggmaier (l.)
Vocal Coach Liz Howard (r.) trifft Schreibcoach Daniela Heggmaier (l.)

Auch ich singe, mit Liz, ohne Liz. Ich summe. Ich entdecke die Melodie mit meiner Stimme. Ich bin im Fluss. „Ich bin nicht hier, um Dich zu beurteilen!“ sagt sie und die sanfte Führung der Mezzosopranistin, die seit über 20 Jahren in München lebt, entfaltet ihre Wirkung. Ich denke an meine Arbeit als Schreibcoach, vier Parallelen fallen mir ein:
• Auch ein großer Teil meiner Arbeit hat damit zu tun, den Menschen die Angst vor dem Schreiben zu nehmen, vor der Beurteilung durch die anderen, vor dem Gesehen- und Gehörtwerden.
• „Lass Deine Kreativität raus“ sagt Liz Howard, und auch dazu rufe ich in meinen Schreibwerkstätten auf. „Du bist einzigartig!“ Keine zwei Fingerabdrücke sind gleich. Keine zwei Stimmen sind gleich, keine zwei Schreibstile. Es gibt kein richtig, kein falsch.
• Wichtig ist, dass man singt, die Stimme aufwärmt, mit ihr spielt, sie gezielt einsetzt, sie genauer kennenlernt und entwickelt. Sagt Liz Howard. Auch ich sage das: Wichtig ist, dass man schreibt. Ausprobiert. Vorliest, in Resonanz geht und übt, übt, übt. Auch die schreibende Stimme entwickelt sich. Durch das Schreiben.
• “Geniiiiiiiiiieße es!“ sagt der Vocal Coach. Und das sage ich auch zu meinen Mitschreibenden: Schreiben macht Spaß, die Gedanken sind frei, lasst Eurer Fantasie freien Lauf, probiert Euch mal in Größenwahn, mal in Bescheidenheit, mal in der Opulenz, mal in der Askese. Genießt den Prozess des Schreibens, des Vorlesens und genießt die Resonanz!

Danke für diese wunderbare Erfahrung, liebe Liz!

Habt Ihr noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen Singen und Schreiben kennengelernt?

Schreibwerkstatt: Gemeinsam besser in den Schreibfluss kommen

„Zeit zum Schreiben habe ich zu Hause nie!“ Das ist ein Satz, den ich von vielen Menschen höre. Das Schreiben in der Gruppe ist für viele Schreibwillige ein Format, mit dem sie besser zurechtkommen. Hier lesen Sie alles über die sieben Gründe für das Schreiben in einer Schreibwerkstatt:

In Schreibwerkstätten fällt es vielen durch die Schreibimpulse, die in jeder Sitzung gestellt werden, viel leichter, zu Ideen und Geschichten zu kommen. Das Schreiben in der Gruppe fügt dieser Wirkung einen Verstärker hinzu: Das Feedback der Teilnehmer – und hier geht es immer nur um emotionales Feedback, vergessen Sie Stilkritik und literarisches Quartett – lässt sie die Dinge in einem anderen Licht sehen.

Die Schreibstimme wecken

„Ach, das hat sie aus diesem Thema gemacht? Da wäre ich nie draufgekommen, interessant!“ – Entdeckungen in jeder Schreibwerkstatt – die Teilnehmenden lernen durch das Vorlesen der Texte der Mitschreibenden. Da verschwindet so manche Schreibblockade, denn durch die Inspirationen aus den vorgelesenen Texten kommen viele Anregungen zustande für die Gestaltung der eigenen Inhalte.

Wir staunen immer wieder, wie viele Variationen zu einem Thema möglich sind: Acht Menschen, acht völlig unterschiedliche Geschichten, inspirierend, vielfältig, bereichernd für die eigene Gedankenwelt.

Alles kann, nichts muss

So geht kreatives Schreiben: In einer Schreibwerkstatt herrscht stets eine wertschätzende Atmosphäre ohne Zwang, den Literaturnobelpreis herbei zu formulieren oder vorzulesen.

Es gibt Platz zum Schreiben, Zeit zum Schreiben, das richtige Setting zum Schreiben: Neue Inputs durch Themenstellungen von außen. Neue Gedanken durch andere Menschen. Neue Ideen durch eine andere Umgebung, denn manchmal sind Schreibwerkstätten auch unterwegs!

Sieben Gründe, warum Sie in einer Schreibwerkstatt schreiben sollten:

  1. Es gibt eine feste Zeit und damit die Vorgabe, etwas zu Schreiben.
  2. Austausch und wertvolle Kommunikation mit den anderen Schreibenden.
  3. Wertschätzendes Feedback innerhalb der Gruppe und der Anleiterin der Schreibwerkstatt.
  4. Inspirationen von den Geschichten der Anderen und durch eine neue Umgebung.
  5. Das gute Gefühl, ein paar Miniaturen, Elfchen, eine Geschichte geschrieben zu haben.
  6. Das gute Gefühl, den Mut aufgebracht zu haben, anderen die eigene Geschichte vorzulesen.
  7. Tipps und Tricks aus der Welt des kreativen Schreibens von der Anleiterin.

Eine aktuelle Übersicht über meine Schreibwerkstätten in Gröbenzell finden Sie bei The Magic Bloghouse.

In welchem Rahmen schreiben Sie am Liebsten?

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Checkliste: Was Sie auf eine Schreibreise alles mitnehmen sollten

Checkliste Schreibreise

Schreiben auf Reisen macht mehr Spaß, wenn Sie die richtige Ausrüstung dabei haben. So wie Fotografen mit einer Fototasche arbeiten, so reise ich mit meiner Schreibtasche. Hier eine Checkliste für alle, die unterwegs gerne an Texten arbeiten, Gedichte verfassen oder in ihr Reisetagebuch schreiben.
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Für die Schlüsselkompetenzen von morgen: Wie Schreiben kollektive Kreativität schafft

Lebenswerkstatt 2014Das Leben durchdenken, diskutieren, neue Ideen auf den Tisch bringen, Pläne schmieden, Werte bestimmen: Seit fünf Jahren treffen sich Frauen in der Lebenswerkstatt, einem schreibenden Think Tank zur Frühlingszeit. Gemeinsam schreiben, sich vorlesen, sich gegenseitig inspirieren – das sind die Erfolgskriterien dieser Schreibwerkstatt, die sehr viel weiter führt als so manch einsam verfasster Jahresrückblick.

Als ich den Film „Terminator“ zum ersten Mal sah, kam ich ins Grübeln. Ich beobachtete, wie Sarah Connor ihren Sohn John auf seine Zukunft als Rebellenführer ausbildet. „Was müssen wir in Zukunft können? Welche Kompetenzen müssen unsere Kinder haben?“ fragte ich mich seither. Als ich den Artikel von Carsten Knop in der FAZ über den MIT-Professor Otto Scharmer las, kam ich der Antwort einen Schritt näher. Seine Idee: „Von der Zukunft her führen“. Also: Potenziale und Zukunftschancen erkennen und im Hinblick auf aktuelle Aufgaben erschließen.

In seinem Buch „Theorie U – Von der Zukunft her führen – Presencing als soziale Technik“ beschreibt er eine Führungsmethode, die den Erfordernissen von Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung im Management gerecht werden kann. Scharmers Kernthese: Wie sich eine Situation entwickelt, hängt davon ab, wie man an sie herangeht, d.h. von der eigenen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. „Presencing“ – ein Begriff zusammengesetzt aus den Wörtern „presence“ und „sensing“ – nennt Scharmer diese Fähigkeit zur Entwicklung, von der sowohl eine Organisation als Ganzes als auch der einzelne Mitarbeiter persönlich profitieren.

Seine Perspektive: Man soll von dem Punkt her denken, an dem man am Ende seines (Berufs-)Lebens stehen möchte. Seine Kernfragen: „Welchen Ratschlag soll Ihr zukünftiges Ich Ihrem heutigen Ich geben?“ und „Was in Ihrem persönlichen oder beruflichen Leben stirbt gerade, von was wollen Sie, dass es geboren wird?“. In seinem bemerkenswerten Blog – leider nur auf Englisch – beschreibt Otto Scharmer, wie sich Führungskräfte und Veränderer in einem dreistufigen Prozess schulen können:

“Observe, observe, observe: Go to (…) the places of most potential and listen with your mind and heart wide open.

Retreat and reflect: Allow the inner knowing to emerge. Share, reflect, and go to an inner place of stillness to connect with your deeper sources of knowing. Contemplate Who is my Self? What is my Work?

Act in an instant: Explore the future by doing. Co-create rapid-cycle prototypes that generate feedback from stakeholders, which then helps to further evolve your idea.”

Ein Retreat dieser Art ist unsere Lebenswerkstatt. Ein Platz für klare Positionierung, notwendige Kurskorrekturen, wertvolles Feedback und wilde Spinnereien. Ein Ort für kollektive Kreativität, um von der Zukunft her zu denken. Ich freu‘ mich schon!

Wo denken Sie am Liebsten über Ihre Zukunft nach?

Freiheit für Kinderaufsätze: Alle Kinder können schreiben!

Kinderschreibmanifest

Neulich im Postfach ein Email von einer Mama: „Mein Sohn tut sich so schwer, Aufsätze zu schreiben. Hast Du einen Tipp, wie wir da helfen können?“ Und wieder denke ich: „Der Deutschunterricht in unserem Land hat ganze Generationen von begabten Autoren auf dem Gewissen!“ Wie oft höre ich von Erwachsenen: „An einer Schreibwerkstatt teilnehmen? Ich? Nein. Mein Deutschlehrer hat immer gesagt, ich kann nicht schreiben!“ Diese verschlossene Türe nimmt Kindern und damit später Erwachsenen die Chance, für sich das Schreiben als wertvolle Ressource zu nutzen. Die sieben Thesen meines Kinderschreibmanifests sollen neue Impulse bringen, damit wir Anleiter von Schreibwerkstätten weniger mit dem Überwinden von Schreibblockaden, sondern mehr mit dem Genießen wunderbarer Geschichten beschäftigt sind:

1. Alle Kinder können schreiben – Geschichten, Gedichte, Romane, alles. So wie jeder Mensch singen kann. Und malen. Jeder Mensch ist auf seine Weise kreativ. Nur hat jeder einen anderen Schwerpunkt. Jedes Kind offenbart seine Fähigkeiten in seinem eigenen Tempo. Das ist in Ordnung. Nochmal: jedes Kind kann schreiben!

2. Jeder Text eines Kindes ist ein perfektes Baby. Ein Baby, das man bewundert und liebt. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, sagt kein Mensch: „Oh, das ist aber hässlich, die Ohren sind zu klein, keine Haare und schau Dir mal die Schrumpelfüße an!“ Nein, ein Baby lieben wir von Anfang an, es ist absolut, makellos, perfekt. So wie es ist. Und so ist das auch mit den Geschichten eines Kindes. Wir würdigen seinen Mut und seine Mühe, seine Geschichte zu Papier gebracht zu haben. Ermutigung ist das A und O.

3. Schreibimpulse sind vielfältig, für jedes Kind funktioniert etwas anderes. Unsere Welt ist voller Schreibimpulse! Macht die Augen auf! Oder den Computer an: Unter http://www.dtv-schreibwerkstatt.de/ können Kinder sogar ihre Geschichten veröffentlichen! Oder basteln Sie Ihren Kindern eine Schreibschatzkiste: Vor dem Schreiben einer Geschichte sammeln Sie Dinge aus der Wohnung oder aus dem Wald, die darin eine Rolle spielen sollen. Besonders schön ist die Urlaubsschatzkiste für das alljährliche Schreiben des „Meine Ferienerlebnisse“-Aufsatzes. Oder lassen Sie die Kinder mit den Rory’s Story Cubes Geschichten würfeln! Ist der Funke einmal übergesprungen, können die meisten Kinder mit dem Schreiben gar nicht mehr aufhören.

4. Lest den Kindern vor. Gebt ihnen Bücher. Gehen Sie mit den Kindern in die Bibliothek, auf Lesungen. Seien Sie ein lesendes – und schreibendes – Vorbild für Ihre Kinder! Wer in seinem Leben viele gute Geschichten gehört hat, wird mit viel höherer Wahrscheinlichkeit später selbst gute Geschichten erzählen können. Kinder lernen durch Vorbilder.

5. Haltet die Kinder inspiriert: Bringen Sie sie mit Kunst zusammen, fördern Sie ihre Kreativität. Gehen Sie mit den Kindern ins Museum, in Ausstellungen, fragen Sie, ob Sie bei der Eröffnung einer Vernissage ihr Kind mitnehmen dürfen. Gehen Sie mit ihm ins Theater, in die Oper, in Konzerte. Diese Erlebnisse bleiben bei den Kindern in Erinnerung und bringen Sie auf neue Ideen.

6. Das Schreibhandwerk zu lernen ist etwas für Fortgeschrittene: Junge Menschen mit Selbstvertrauen. Ich habe schreiben durch „Redgiertwerden“ gelernt. Ich saß mit einer Schreibmaschine (sic!) und einem weißen Blatt Papier in einem Praktikum da, und verfasste stündlich neue Versionen einer Pressemitteilung. So lange, bis sie meinem damaligen Chef gefallen hat. Das ging nach einer Weile immer schneller. So lernten Generationen von Volontären das Schreiben in Zeitungen, das Verfassen von Meldungen für’s Radio und das Texten von Fernsehbeiträgen. Kinder haben für diesen Prozess nur selten das Selbstvertrauen. Jede Korrektur empfinden sie als Ablehnung. Viele können ja noch nicht einmal beim Menschärgeredichnicht-Spielen verlieren. Also: Toll, dass Du eine Geschichte geschrieben hast! Wie ging es Dir beim Schreiben? Möchtest Du weiter schreiben? Wenn ja, was brauchst Du dazu?

7. Das Literarische Quartett ist was für Ü50er. Für Kinder ist es am Besten, wenn sie in Schreibwerkstätten von einander lernen. Von den Fragen der anderen Kinder zur eigenen Geschichte, von der Art, wie andere Kinder Geschichten schreiben und wie sie auf das Kind selbst wirkt. Was Kinder nicht brauchen, sind Erwachsene, die sie bewerten, beurteilen und die ihnen sagen, dass das ein schlechter Aufsatz ist. Was Kinder brauchen, sind kreative Schreibimpulse, das richtige Setting für die Schreibumgebung, eine Anleitung zu wertschätzendem Feedback, Papier und Stifte. Und die Ermutigung, immer weiterzuschreiben.

Welche positive Schreiberinnerung haben Sie aus Ihrer Kindheit in Erinnerung behalten?

Warum Sie auf Reisen schreiben sollten

Schreibreise London

Auf Reisen fliegt mir alles nur so zu: 1.743 Schreibideen, jede Menge gute Gedanken und Ansätze zum Pläneschmieden, eine Million wunderbarer Sätze. Ich sitze im Café, die Gedanken fließen und ich schreibe nur noch mit. Die Umgebung fernab des Alltäglichen entfaltet meine Kreativität schneller, vor allem, wenn ich Metropolen wie meine Lieblingsstadt London besuche. Schreibend reisen, unterwegs Gedanken und Momente festhalten, auf Schreibreise gehen – für mich eine der wunderbarsten Arten zu Schreiben.

Dass die Begegnung mit anderen Ländern und anderen Sitten die Kreativität fördert, berichtet auch Indien Expertin Dr. Simone Rappel: „Menschen mit Auslandserfahrung sind kreativer. Sie sind es gewohnt, sich auf je neue Situationen einzustellen und Lösungen zu finden,“ schreibt sie in ihrem Blog Business Culture Indien. Also schon mal bei der nächsten Geschäfts- oder Urlaubsreise genügend Zeit zum Schreiben einplanen.

Am Liebsten schreibe ich im Café oder in Museen. Zum Beispiel in London in der National Portrait Gallery. Aber auch Reisepausen im Flugzeug, Bus oder Zug bieten inspirierende Schreibgelegenheiten: Es gibt Menschen zu beobachten, ich höre neue Musik und interessante Sprachfetzen, Kunstwerke aller Stilrichtungen und Epochen beflügeln meine Fantasie.

Unterwegs kann ich schreiben statt zu fotografieren oder zu telefonieren. Briefe, Postkarten. Ein Tagebuch oder ein Reisejournal. Eines, in das man auch Kassenzettel oder Eintrittskarten hineinklebt, Postkarten, Ausschnitte aus Zeitungen. Eines, in das man hineinmalt, wie z.B. die amerikanische Künstlerin und Autorin Sark. Ich habe auch immer mein Inspirationsbuch dabei, in das ich z.B. meine wichtigsten Erkenntnisse aus Büchern hineinschreibe, Weisheiten oder Witze.

Unterwegs kann ich an einem Roman weiterschreiben. Oder Kurzgeschichten, Reportagen, Interviews. Oder Gedichte, Elfchen. Oder die nächsten 20 Blogposts. Oder Stoffsammlungen in Form von Listen und Clustern. Aus einem anderen Blickwinkel, aus einem anderen Land heraus. Man verbindet einfach andere Punkte, z.B. die aus London, mit den eigenen Themen, Romanfiguren, Fragestellungen, Kundenproblemen oder seinem ureigensten roten Lebensfaden.

Kein Telefon stört mich, kein Kundentermin steht unmittelbar bevor. Auf Reisen darf ich entdecken, mit allen Sinnen schauen, riechen, hören, tasten, schmecken, denn nur dazu bin ich da. Ich genieße das malzige Aroma eines schwarzen englischen Broken-Teas, den das Bergamotten Öl zum Earl Grey adelt. Die Teascones schmelzen im erdbeerigen Clotted Cream-Traum auf meiner Zunge. Kulinarisches inspiriert meine Reiseberichte, Ideen aus Literatur, Kunst, Musik, Architektur und Natur des jeweiligen Landes oder Orts fließen in meine Texte ein.

Auf Reisen brauche ich nur ein paar Stifte zum Schreiben, eventuell ein paar Farbstifte zum Malen, einen Klebestift, eine kleine Schere. Immer öfter die Brille. Mal mache ich Fotos, lasse sie in einem Geschäft ausdrucken oder schneide etwas aus der örtlichen Tageszeitung aus und klebe es in mein Journal. Mal malen die Mitreisenden ein Bild hinein oder halten Anekdoten darin fest.

Mitreisende sind eine weitere Bereicherung. Vor allem auf einer Schreibreise. Wenn wir uns unsere Geschichten vorlesen und sie miteinander teilen. Von einander lernen. Uns gegenseitig wertschätzendes Feedback schenken. Uns durch Schreibimpulse auf neues Terrain bewegen. Dann fällt so manche Schreibblockade in sich zusammen. Dann entsteht so manches Schreibnetzwerk. Dann entsteht so mancher Text, der stolz nach Hause gebracht wird und noch lange wirkt.

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Die Menschen meiner Lebensgeschichte – Charakterentwicklung im autobiografischen Schreiben

Charakterentwicklung

Anekdoten sammeln sich viele an im Rahmen eines Menschenlebens. Geschichten, die man mit anderen Menschen erlebt hat: Mit Freunden, Familie, Arbeitskollegen oder Nachbarn. Wer seine Lebenserinnerungen aufschreibt, sammelt Informationen darüber, wer diese Menschen waren, wie sie waren und was sie für das eigene Leben bedeutet haben. Wie man diese Erfahrungsschätze aufbereiten kann, beschreibt dieser Blogpost.

Zum Geburtstag verwöhnte mich meine Oma mit köstlicher Buttercremetorte, der Nachbar Herr Tischler polierte immer samstags sein Auto drei Stunden lang, die goldenen Ohrringe der Lehrerin Frau Rüschel bebten, wenn sie schimpfte. Fragmente wie diese bleiben in Erinnerung. Wer ausgewählte Charaktere in seiner Autobiografie beleuchten möchte, kann in der Recherchephase solche Fragmente in Personenakten zu Portraits zusammenfügen. Dazu legt man sich einfach für alle wichtigen Menschen seines Lebens je eine solche „Akte“, also ein Blatt, eine Karteikarte oder ein kleines Heft an. Da hinein kommen z.B. …

·         Beschreibungen des Äußeren, also Kleidung, Haare, Schuhe, Duft, Hände, Haut etc.

·         Bilder, Briefe oder sonstige Dokumente zu diesem Menschen und

·         Erinnerungen an typische Handlungen, Blicke, Aussprüche und Zitate, Marotten, Hand- und Körperbewegungen der jeweiligen Person.

Meine Lieblingsschreibübung in diesem Zusammenhang heißt „Regieanweisung“. Stellen Sie sich vor, Sie beschreiben einem Schauspieler, wie er zu sein hat, wenn er z.B. den autoputzenden Nachbarn, Ihren Vater oder Ihren ehemaligen Chef spielen soll. Schreiben Sie nur ca. 10-15 Sätze dazu. Ich habe hier als Beispiel Regieanweisungen zusammengestellt, wenn man wie ein Hund sein soll, mit dem ich das Vergnügen hatte, in meiner Kindheit einige Ferienwochen zu verbringen:

Wie sie sind, wenn Sie der Hund Bessie sind

·         Freuen Sie sich geschlagene 10 Minuten durch Ganzkörperwedeln, niesen, schnüffeln, wenn Herrchen oder Frauchen nach Hause kommen.

·         Wenn Frauchen mit dem Staubsauger durch die Wohnung geht, setzen Sie sich demonstrativ davor und lassen Sie sich intensiv mit der Polsterbürste absaugen.

·         Verbringen Sie so viele Stunden wie möglich mit Nickerchen in der Sonne.

·         Segnen Sie Ihre Umgebung gleichmäßig mit Ihrem kurzen prägnanten Boxerfell, das so schön im Teppich hängen bleibt.

·         Wenn es ans Spazierengehen geht, versuchen Sie die Leine zu schnappen und verleihen Sie Ihrer Vorfreude unübersehbar Ausdruck.

·         Zur Essenszeit schlecken Sie demonstrativ den leeren Napf aus. Suchen Sie intensiven Blickkontakt zu Herrchen oder Frauchen.

·         Kleiden Sie sich durchgängig in kurzem, braun-schwarz gestromten Fell mit einem weißen Fleck auf der Brust.

·         Wedeln Sie.

·         Beschützen und lieben Sie Kinder!

·         Strafen Sie Frauchen oder Herrchen mit Nichtachtung nach mehrtägiger Abwesenheit.

·         Begegnet Ihnen eine unbekannte, unsympathische Person oder ein verdächtiger Artgenosse, stellen Sie die Rückenhaare zum Kamm auf und bellen Sie. Tun Sie so, als wären Sie ein Rottweiler.

·         Wedeln Sie und zeigen Sie ohne Unterlass Ihre Dankbarkeit für Streicheleinheiten.

Eigentlich ganz einfach. Und führt zu amüsanten, prägnanten Personen- bzw. Hundebeschreibungen. Anregungen zur Charakterentwicklung kann man sich aus zahlreichen Anleitungen aus der Welt des literarischen Schreibens holen, z.B. bei diesen Links:

http://www.schriftsteller-werden.de/charakterentwicklung/charaktere-erschaffen/

http://werde-autor.forumo.de/tipps-und-tricks-zum-schreiben-f31/deine-charaktere-t10.html

http://www.leixoletti.de/theorie/charaktere.htm

http://www.literatur-welten.de/schreiben-lernen/69-figuren-erfinden

http://www.andreaseschbach.de/schreiben/fragen/charaktere/charaktere.html

http://autorwerden.net/tipps-interessantere-charaktere/

Schließlich werden Personen in einer Biografie meist so dargestellt, dass die Ähnlichkeit zu lebenden Personen nicht nachvollzogen werden kann. Da gehört schon eine Prise Fiktion dazu.

Welche Autobiografien gehören zu Ihren Lieblingsbüchern?