Hemingway und wie Sie die Einsamkeit beim Schreiben besiegen

Einsamkeit beim Schreiben

Schreiben – das kann eine einsame Angelegenheit sein. So einsam, dass viele damit aufhören und im schlimmsten Fall gar nicht damit anfangen. „Wie komme ich mit mir selbst besser zurande?“ fragte mich eine Blog-Starterin vor kurzem. Meine sieben besten Tipps für das Schreiben im stillen Kämmerlein.

Blogger, Autoren und Menschen, die vor großen Schreibprojekten stehen, leiden oft unter Ladehemmung und Schreibblockaden. Einer der Gründe: Das Alleinsein, wenn es darum geht, Texte und Inhalte zu produzieren, die für andere interessant sein sollen.

Viele fühlen sich beim Schreiben wie ein Fußballer beim Elfmeterschießen: 70.000 Menschen im Stadion, Millionen an den Fernsehgeräten, alle Augen sind auf den hoffnungsvollen Torschützen gerichtet, die Erwartungen der Mannschaftskameraden und der Fans sind hoch. Dazu kommt der eigene Perfektionismus: Werde ich das schaffen? Wie wird sich das anfühlen, wenn mir der Treffer nicht gelingt?

Das weiße Blatt Papier, die leere Textseite auf dem Bildschirm und kein einziger Einfall: Die Einsamkeit beim Schreiben ist ein Problem, das viele Menschen haben: Keiner da, der einem einen Ball, einen Kommentar zuwirft. Keiner, der eine Frage stellt, Impulse bringt, der das, was ich da schreibe, mit dem wertvollen Blick von außen beleuchtet. Kein Dialogpartner, dessen interessierten, gelangweilten, kritischen oder nachdenklichen Blick man sehen kann. So mancher Schreiberling fühlt sich isoliert im stillen Schreibkämmerlein.

Die fehlende Resonanz wirft viele Fragen auf: Ist das gut, was ich da produziere? Will das irgendwer lesen? Nützt das jemandem? Das ist doch schon tausendmal geschrieben worden? Blamiere ich mich da nicht eher langfristig, wenn ich Blogbeiträge schreibe?

„Schreiben ist das Härteste, was es gibt.“ (Earnest Hemingway)

Auch berühmte Schriftsteller kennen das Problem: Was Hemingway beim Schreiben geholfen hat – ein karger Raum über der Garage, Alkohol und Zigaretten – hat für ihn funktioniert. Mein Weg ist es nicht. Mir hilft beim Schreiben eine gesunde Mischung aus Einsamkeit und Austausch. Mit diesen sieben Tipps funktioniert‘s auch mit dem Schreiben:

  1. Einsamkeit wertschätzen

Ich persönlich genieße die Einsamkeit beim Schreiben. Dann gelingen Konzentration und Fokussierung – ohne Ablenkungen und Unterbrechungen. Jeder, der schon einmal in einem Großraumbüro gearbeitet hat, versteht die Herausforderung. Beim Schreiben „nur für mich“ oder „nur mit mir“ hilft mir vor allem ein Rahmen, den ich vorher definiere: Ein Anfang und ein Ende, denn nur wenn ich weiß: „Heute schreibe ich X Seiten oder Zeichen oder ein Kapitel oder 120 Minuten“, fühlt sich mein Pensum so an, dass ich es gut bewältigen kann und ich mich nicht überfordere. Und ich habe einen festen Schreibtag und bewußt geplante, einsame Schreibzeiten, bei denen ich mich anschließend über Austausch mit anderen Menschen freuen kann.

  1. Die Kette nicht abreißen lassen

Ich erstelle für meinen Blog oder größere Schreibprojekte einen Redaktions- oder Schreibplan und den setze ich konsequent um. Ich kenne mein Ziel. Ich habe meine Schreibrituale, die sich für mich gut anfühlen. Z.B. eine gute Tasse Tee neben dem Schreibtisch. Manche schreiben gerne bei Musik oder an unterschiedlichen Orten. Weil ich meine Schreibwohlfühlzone kenne, muss ich nicht jedes Mal neu überlegen, ob ich jetzt wirklich Lust habe, zu schreiben, ob ich einsam bin oder ob mir jetzt gerade wirklich etwas Gutes einfällt.

  1. Austausch organisieren

Durch eine Mastermind Gruppe, eine Schreibgruppe oder die Mitgliedschaft in Schreibforen kann man seinen Austausch, die Interaktion und das Feedback fest in seinen Schreiballtag einplanen. Auch Schreibwerkstätten sind ein tolles Forum, um in den Dialog zu treten. Ich habe zum Beispiel die monatliche Blogger-Schreibwerkstatt „The Magic Bloghouse“ ins Leben gerufen. Mit diesem Co-Workingspace für Blogger stelle ich sicher, dass ich jeden Monat zwei Blogbeiträge schreibe und mir durch das Vorlesen des Textes nicht nur Feedback von den anderen Teilnehmenden, sondern schon vorher Fragestellungen für meine Texte hole. Durch die Resonanz und die Fragen der anderen Blogger ist es viel leichter, Texte zu verfeinern und sie lesefreundlich zu gestalten.

  1. Dialogpartner gedanklich an den Schreibtisch holen

Vielen Autoren hilft es, ihre Texte erst einmal in Form eines Briefes an einen Freund zu schreiben: In so einem Brief erkläre ich z.B. einer lieben Freundin aus meinem wirklichen Leben das Thema, gebe ihr Tipps und Tricks oder erzähle ihr meine Geschichte. Manchmal schicke ich den Brief auch ab und bitte um Feedback. In einem zweiten Schritt erstelle ich aus dem Brief dann z.B. einen Blogbeitrag.

Auch kann man den Text in einer Art innerem Dialog schreiben, indem ich mir vorstelle, dass ich z.B. meinem Mann eine Geschichte erzähle. Ich denke darüber nach, wie er auf die einzelnen Inhalte reagieren würde – und dieses „gedachte“ Feedback – seine Fragen, Reaktionen, Einwände – baue ich gleich in den Text ein.

  1. Erfolge feiern

Beim Schreiben in der Einsamkeit gelingt mir die Motivation gut, wenn ich mich für erreichte Teilziele belohne, z.B. durch eine Pause, einen Tee, ein Telefonat oder einen Museumsbesuch – allein oder in guter Gesellschaft!

  1. Das richtige Mindset

Schreiben geht mir leicht von der Hand, wenn ich es aus einem Gefühl der Fülle und Großzügigkeit heraus tun kann. Der Weg zu diesem Gefühl? Ich sorge für mich, halte mich inspiriert, bleibe im persönlichen Kontakt mit meinen Lesern, Kunden, Freunden, ich kenne ihre Fragestellungen und Herausforderungen. Ich institutionalisiere Austausch und Inspiration, z.B. durch einen literarischen Salon, den ich vor ein paar Jahren ins Leben gerufen habe, durch den Besuch von Netzwerktreffen und den Besuch von Veranstaltungen. Und ich habe eine Ressourcenliste mit den Namen von den Menschen und Experten, bei denen ich mir Unterstützung holen kann! Damit gestalte ich bewusst Phasen der Einsamkeit und des Austauschs.

  1. No Drama!

Denn: Lieber unperfekt begonnen, als perfekt gezögert!

Wie begegnen Sie der Einsamkeit beim Schreiben?

Sie wollen regelmässig Blogbeiträge schreiben, kommen aber nicht aus dem Quark? Dann kommen Sie einmal im Monat ins Magic Bloghouse im Münchner Westen. Alle Termine und Infos dazu finden Sie hier. Sie haben Fragen? Dann schreiben Sie mir doch gleich eine Nachricht:

2 Kommentare zu “Hemingway und wie Sie die Einsamkeit beim Schreiben besiegen

  1. Hey,

    sehr schöner Artikel. Ich beschäftige mich auch schon länger mit dem Thema. Zu Beginn war das eine Hürde für mich, aber mittlerweile habe ich eine gute Mischung gefunden, in dem ich zum Beispiel einige Projekte zusammen mit Regisseuren und Produzenten entwickle und andere dann komplet alleine. Und dann schätzt man plözlich wieder die Einsamkeit.

    Gruß,

    Dron

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    • Hallo Dron,
      danke! Meine Erfahrung zeigt, dass unser Gehirn immer dann produktiv wird, wenn wir zwischendurch mal den Rahmen sprengen, etwas Neues ausprobieren und wenn wir uns aus der Komfortzone herausbewegen. Deine Idee finde ich interessant!
      Fröhliches und produktives Schreiben wünscht Dir
      Daniela

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