Digital Media Camp: Medien digital verwandelt und Geschichten neu erzählt

Alles wird verteilter, Inselcommunities entstehen, neue Lösungen und Produkte werden in Bootcamps entwickelt und Geschichten werden heute anders und manchmal nur für eine Lebensdauer von 24 Stunden erzählt. Hier mein Bericht vom Besuch meines ersten Barcamps – des #dmcmuc am 6. Februar 2016 in München!

Seit ich in einem Interview mit Jan Theofel über das Event-Format Barcamp im Blog berichtet habe, freue ich mich darauf, an so einer Unkonferenz teilnehmen zu können. Im Februar war es so weit: Das Media Lab Bayern lud zum Digital Media Camp nach München ein.

Frühstück mit Likies

Frühstück mit Likies

Mein Eindruck: Cool, dynamisch, vernetzend. Relevante Themen, gesprächsbereite Menschen, durchdachte Organisation, tolle Location des Werk1 im Münchner Kunstpark Ost – gottseidank weder ein Szene-Krötentunnel noch ein einschlafförderndes Einheitshotel. Dazu liebevolles Catering mit Krapfenbranding und Extrem-Twittern. Tolles Event-Format!

#empfehlen: Unbedingt hingehen, wenn Ihr ein Barcamp zu einem für Euch interessanten Thema findet!

#machen: Gleich den Termin für das #dmcmuc 2017 herausfinden.

Ein Blick auf den Journalismus von morgen – Der Kontext
Meine erste Session beschäftigte sich mit „nicht-linearem Storytelling und interdisziplinären Teams“. Der Referent: Bernhard Scholz, Mitgründer von Der Kontext.

Nicht-lineares Storytelling? Gebt in der Suchmaschine ein, was Euch interessiert und dann arbeitet Euch nacheinander durch die Suchergebnisse.

Das Problem: Nicht-Relevantes, Ähnliches und manchmal auch ganz Unpassendes werden von der Suchmaschine ausgespuckt, manchmal sind interessante Geschichten auch nicht zu finden. Es dauert einfach seine Zeit, sich ein Thema zu erschließen. Geschichten werden zudem bislang linear, chronologisch erzählt und noch zu wenig mit Video- oder Podcast-Inhalten angereichert.

Die Folgen: Ermüdung, Orientierungsverlust, Information Overload. Waren früher die Medien die Gatekeeper, die auswählten, was wichtig ist, so scheint heute im Zeitalter der Informationsfülle alles wichtig zu sein.

Die Herausforderungen unserer Zeit jedoch sind nicht linear darzustellen: Alle Themen sind miteinander verbunden, vernetzt, voneinander abhängig.

Der Kontext – ein Startup, das soeben sein Crowdfunding abgeschlossen hat – hat es sich zum Ziel gesetzt, eine interaktive Plattform für aktuelle, komplexe Themen bereitzustellen.

Die Themen werden wie auf einer Landkarte dargestellt, die die Leser mit ihren Fragen abholen sollen. Sie können dann in die verschiedenen Unterkategorien eines Themas sowie in verbundene Themen eintauchen. In den Vertiefungen finden sie ausgewählte Inhalte – Artikel, Reportagen, Videos aus den Medien sowie von Bloggern, die die Themen im Einzelnen gut und repräsentativ erklären. Die Orientierungsmatrix und die Auswahl der einzelnen Beiträge werden von dem Kontext-Team derzeit monatsaktuell entwickelt. Dazu kommt die Recherche eigener Inhalte.

Weil die Welt immer visueller wird und Inhalte über Bilder deutlich schneller erfasst werden, verfolgt das Kontext-Team einen ganz besonderen Ansatz: Es arbeitet interdisziplinär: In der Redaktionskonferenz sind nicht nur Journalisten sondern auch Kommunikationsdesigner und Software-Entwickler zu finden. Sie entscheiden dann gemeinsam, welcher der beste Weg ist, ein Thema aufzubereiten. Gemeinsam finden sie die Antworten auf die Fragen: Wie können wir jemanden, der sich für dieses Thema interessiert, am besten abholen? Wie bleibt er dran? Welcher ist der beste Content dazu?

Als Hintergrundmagazin sieht sich der Kontext also als Kurator von Inhalten, mit denen er seine Leser auf Entdeckungsreise schickt. Das interdisziplinäre Team filtert die relevanten Inhalte raus und entscheidet über den Mehrwert für die Leser. Der Gatekeeper der Gatekeeper also.

Bernhard Scholz Der Kontext

Bernhard Scholz stellt das Hintergrundmagazin „Der Kontext“ vor

#empfehlen: Mein heißer Tipp für Verlage, die eine Vielzahl von komplexen Inhalten anbieten und auch Unternehmen, die sowohl intern als auch extern eine große Fülle von Informationen nutzbar machen wollen. Und auch im Bildungsbereich bietet sich eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten.

#machen: Den Kontext beobachten und in ein paar Monaten um ein Interview bitten. Das Crowdfunding ist gerade abgeschlossen und ich drücke diesem Team die Daumen. Und für mich selbst die Frage beantworten, wie nicht-lineares Bloggen aussehen kann.

Fragen an die Arbeitswelt von morgen mit den Digital Media Women München
In der zweiten Session ging‘s nur um Fragen: Die Digital Media Women in München haben sich als Jahresmotto 2016 „Nah dran am digitalen Wandel“ auf die Fahnen geschrieben und haben deshalb die Fragen der Sessionteilnehmer rund um die Zukunft der Arbeit gesammelt.

Die Fragen flogen durch den Raum und mir blieben diese besonders im Gedächtnis: Wenn der Arbeitgeber eine App ist, wie führt man dann Gehaltsgespräche? Wie sehen die Statussymbole der Zukunft aus? Was ist der Preis, den wir für den digitalen Wandel bezahlen werden? Welche sind die Top 10 Skills in 2020? In welchem Stadium der digitalen Transformation sind wir gerade? Wer sind die Gewinner? Digital Divide und die Ausgeschlossenen – wer übersetzt und nimmt sie mit? Alle Fragen im Überblick findet Ihr hier:
dmcmuc Digitaler Wandel
#empfehlen: Letztendlich sind diese Fragen für alle interessant: Unternehmen, Medien, Arbeitnehmer und Selbständige. Die Fragenübersicht ist ein guter Leitfaden dafür, sich für das Zukunfts-Ich und Zukunfts-Wir Gedanken zu machen sowie Ideen zu skizzieren und auf den Weg zu bringen.

#machen: Für einige dieser Fragen hier in diesem Blog Antworten finden.

Barcamp-Zeichnen mit der Freiraumfrau
Wie komme ich zu selbstgezeichneten Bildern? Wie bereite ich Events visuell auf? Meine dritte Session war für mich kein Neuland, denn ich hatte bereits einen Abend mit Reaktivzeichnen bei der wunderbaren Angelika Bungert-Stüttgen genossen und mit ihr in meinem Blog auch schon über das Potential des Zeichnens für die Visualisierung von Inhalten gesprochen.

Sie zeigte uns in der Session viele gute Tricks, wie man zu seiner ganz besonderen Barcamp-Zeichnungen kommt, die nur mir allein gehört. Sie rät dazu am Ende einer Veranstaltung zu rekapitulieren: Was war mir wichtig?

Emotionen, Stimmungen, Wahrnehmungen zu sortieren und schriftlich zu Papier zu bringen ist eines, sie zu zeichnen etwas anderes. Die Freiraumfrau sagt: Jeder kann zeichnen – und wenn es Strichmännchen sind oder man in seinem gezeichneten Kochrezept das braune Häufchen mit einem Pfeil und dem Wort „Zimt“ versieht. Das Wichtigste: #machen!

Und das stand dann auch für uns auf dem Programm und wir zeichneten und illustrierten, was das Zeug hielt.

Reaktivzeichnen dmcmuc 2016#empfehlen: Für alle, die über Events bloggen und die aus Events für sich das Meiste herausholen wollen. Denn wer den Prozess einer zeichnerischen Berichtserstellung auf der Abstraktionsebene „Bild“ durchlaufen hat, kommt auf neue Ideen, Zusammenhänge und behält die Event-Inhalte besser in Erinnerung.

#machen: Angelika Bungert-Stüttgen veranstaltet regelmäßig Online-Zeichenkurse. Hier kann ich üben. Und nach jedem Event werde ich jetzt eine Zeichnung erstellen, weil „machen“ eben das wichtigste daran ist!

Hier findet Ihr übrigens den #dmcmuc-Blogbeitrag mit den Zeichnungen von Angelika Bungert-Stüttgen.

Geschichten erzählen für den Locus: Snapchat für Dummies mit Richard Gutjahr
Das Auge snappt mit – das berichtete uns Vorzeige-Blogger und Journalist Richard Gutjahr, der seit Jahren zu meinen ganz persönlichen Blogger-Helden zählt. Seine Begeisterung für die App Snapchat  war deutlich spürbar und half ihm dabei, trotz Fieber die Features und Tricks der neuen Trend-App der nahezu kompletten dmcmuc-Gemeinde vorzustellen.

Die App im Überblick: Sie dient dazu, Geschichten zu erzählen mit Fotos und Videos, die man auch mit Zeichnungen, Designelementen und Schriftzügen versehen kann. Und das alles für den „Locus“ – wie Gutjahr es ausdrückte, denn die Sichtbarkeit beträgt genau 24 Stunden. Dann sind sie weg, die Inhalte, die die 100 Millionen aktiven User täglich posten.

Dazu kommt ein Messenger, der nach dem gleichen Prinzip funktioniert: Nachricht gelesen = Nachricht gelöscht.

Sind dort derzeit noch die Jungen vertreten, so rät Richard Gutjahr dazu, einzusteigen bevor es heißt: „Oh Gott, jetzt sind meine Eltern auch schon bei Snapchat!“. Für Unternehmen bieten sich in Form der Geofilter kreative Werbemöglichkeiten, die z.B. von McDonalds schon genutzt werden.

Richard Gutjahr in seiner Session "Snapchat for Dummies"

Richard Gutjahr in seiner Session „Snapchat for Dummies“

#empfehlen: Richard Gutjahr sagt: Jetzt reingehen in die App, lernen wie sie funktioniert, Publikum unter dem Klarnamen aufbauen, experimentieren, Fehler machen und ausprobieren. Seit große Medienpartner bei Snapchat eingestiegen sind und dort mit großem Aufwand ihre Geschichten – Snapstories genannt – erzählen – und auch Hillary Clinton ihren Wahlkampf dort begleitet, ist die wachsende Bedeutung dieser neuen Plattform offensichtlich.

#machen: Die Empfehlung von Richard Gutjahr umsetzen, nämlich das Buch „Snap Me If You Can“ von Philipp Steuer lesen. Wer weniger Zeit hat: Hier geht’s  zum Snapchat-Blog-Artikel von Gary Vaynerchuck. Und dann App runterladen und loslegen!

Startups aus Bootcamps – Wie Burda den digitalen Wandel meistert
Wie ein Verlag, der über 300 Printtitel im Programm hat, versucht, die Kunden im Digitalen abzufangen, davon berichtete ein Vertreter von Burda. Das Format, um neue Geschäftsfelder und neue Communities zu erschließen, heißt Burda Bootcamp.

In München versammelt der Verlag dabei jährlich Studenten aus den Bereichen Design, Grafik, Webentwicklung, IT, Softwareentwicklung, Entrepreneurship, Mathematik, Statistik sowie Data Science für ca. zwei Monate in einem Labor für digitale Prototypen-Entwicklung. In Abstimmung mit Burda-Marken wie z.B. Bunte.de, Focus, SuperIllu, Freundin, Chip, Huffington Post, HolidayCheck oder Xing entwickeln die Teilnehmer dann digitale Prototypen z.B. von Apps, Algorithmen, oder Datenvisualisierungen.

Aus den Entwicklungen entstehen Konzepte für kleine Startups, die im Markt getestet werden, um dann ganz schnell die Entscheidung „hopp oder top“, sprich „aufhören oder weitermachen“ zu treffen.

dmcmuc 2016 Krapfen#empfehlen: Einfach mal beobachten, was da an neuen Produkten entsteht. Wer schon teilgenommen hat am Burda Bootcamp steht hier. Kann für Karriereanfänger ein guter Start in die Medienwelt sein.

#machen: Ich habe mir vorgenommen, einen Blick darauf zu werfen, was die Verlage an digitalen Innovationen auf den Weg bringen. In einer Zeit, in der Printmedien zu Nischenmedien, zu elitären Luxusprodukten  werden, bin natürlich auch an „analogen“ Entwicklungen interessiert. Bislang kamen die erfolgversprechenden Titel wie Flow, Happinez oder Daphne’s Diary alle aus Holland. Mal sehen, was der Medienstandort Deutschland so liefern wird.

„Last night a product changed my life” von Ralf Westbrock

Wenn Produkte Leben verändern, links: Ralf Westbrock, rechts Daniela Heggmaier

Wenn Produkte Leben verändern, links: Ralf Westbrock, rechts Daniela Heggmaier

Meine letzte Session beschäftigte sich mit der Frage: “Wie finde ich das nächste Produkt, die nächste Lösung, die meine Kunden brauchen?”. Ralf Westbrock bot dazu einen Workshop an, bei dem wir die Perspektive wechselten: Welches Produkt hat in letzter Zeit mein Leben drastisch verbessert?

In Gruppen evaluierten wir „Customer Pains“ und „Customer Gains“ dieser lebensverändernden Lösungen. Wir warfen einen genauen Blick auf das Vorher und Nachher, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo genau die Chance für eine Innovation, ein neues Produkt stecken kann. Oft ist es in der Spalte zwischen Vorher und Nachher zu finden, um dann das Beste zweier Welten zu ermöglichen.

#empfehlen: Welche Produkte haben in der letzten Zeit Euer Leben verändert? Welche Lösungen wünscht Ihr Euch?

#machen: Mit offenen Augen durch die Welt gehen! Und mit dem tollen Postern von Michael Westbrock arbeiten!
Danke an das Media Lab Bayern #dmcmuc  für das großartige Barcamp und an die Sponsoren, die das möglich gemacht haben. Hier könnt Ihr die Zusammenfassungen der bloggenden Barcamp-Besucher sowie die Präsentationen der Sessions einsehen. Freue mich auf 2017!

Welche Fragen habt Ihr an den digitalen Wandel?

3 Kommentare zu “Digital Media Camp: Medien digital verwandelt und Geschichten neu erzählt

  1. Pingback: #dmcmuc 2017 Rückblick: Was meinst Du mit Real Life? | Daniela Heggmaier

  2. Pingback: München, Deine Medien – und 7 Wege aus der Filterblase | Daniela Heggmaier

  3. Pingback: Pornos auf dem Digitalmediacamp – und was sonst noch so geschah | Hubert Mayer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: