Die fünf Löschtasten der Selbstdarstellung und wie Sie sie vermeiden

Es gibt kleine, aber wirkungsvolle Fallen der Selbstdarstellung, die das Knüpfen von Kontakten deutlich erschweren: Wer leere Phrasen, abgedroschene Floskeln oder Begriffe aus der Welt der Selbstabwertung verwendet, kann in Sekundenschnelle das Interesse an der eigenen Person oder sogar seinen Expertenstatus in den Köpfen seines Gegenübers löschen. In diesem Artikel: Wie Sie diese „Löschtasten“ vermeiden und stattdessen die Enter-Taste für das Knüpfen einer neuen Verbindung drücken.

Netzwerken fördert Business und Karriere, das ist erwiesen. Dabei gibt es viele wunderbare Gelegenheiten, Menschen kennenzulernen, offline wie online. Ein Gespräch auf einer Firmenfeier oder ein Vortrag, ein Kommentar bei LinkedIn oder man entdeckt sich über einen Blog. Der erste Eindruck zählt: Besteht Sympathie? Relevanz? Interesse? Dann steht weiteren Gesprächen und Begegnungen nichts im Wege.

Manchmal aber entstehen Irritationen, die einen guten ersten Eindruck oder sogar einen Expertenstatus zunichtemachen können. Das falsche Wort, oft achtlos eingeworfen oder aus dem allgemeinen Sprachgebrauch heraus verwendet, kann zur Folge haben, dass das Interesse nachlässt an weiteren Gesprächen oder Menschen in der Folge nur schwer Vertrauen aufbauen können.

Ob die Vorstellung online oder im richtigen Leben passiert: Eine sorgfältige Auswahl von Wörtern, Redewendungen und Fachbegriffen ist wichtig, wenn wir uns Menschen vorstellen, mit denen wir in Kontakt kommen wollen. Sehen wir uns die fünf wichtigsten Löschtasten einmal an:

  1. „Vielleicht hat Ihnen mein Blogartikel gefallen?“

Alle Begriffe wie „möglicherweise, vielleicht, angeblich, eventuell, wahrscheinlich, hoffentlich, normalerweise“ schränken die Geltung eines Sachverhalts ein und drücken Zweifel aus, ob der beschriebene Sachverhalt wahr ist.

Als Leserin eines Blogartikels wünsche ich mir, dass die Autoren mit voller Überzeugung hinter ihren Artikeln und ihren Aussagen stehen. Ich wünsche mir, dass sie ihre Texte schreiben mit dem besten Willen, die für mich wichtigen und relevanten, wahren Informationen und ihre jeweiligen Erfahrungen dazu zusammenzustellen.

In jedem Vortrag, in jedem Gespräch und in jedem Text wünsche ich mir, dass die Absender wissen, wofür sie stehen und was wichtig ist. Wer vielleicht oder möglicherweise nicht ganz sicher ist, schwächt seine Aussagen ab und verliert an Glaubwürdigkeit sowie an Autorität. Oder gehen Sie gerne zu einem Arzt, der seinen Diagnosen und Therapieempfehlungen ein „vielleicht“ voranstellt? Also.

Wie Sie die Enter-Taste für neue Verbindungen drücken: Laden Sie Menschen zum Austausch ein! Fragen sind wichtig, um herauszufinden, ob Leser das genauso sehen, empfinden, ob sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder wie sie ein Thema beurteilen. Fragen sind Gesprächsimpulse und die Einladung dazu, weiter über ein Thema nachzudenken und mit anderen darüber zu diskutieren.

Selbstdarstellung Fallen

  1. „…schieß mich tot…“

Das ist ein Begriff, der oft bei Aufzählungen verwendet wird: Wenn man nicht weiter aufzählen möchte oder wenn man sich an weitere Punkte nicht mehr erinnern kann. Ich gestehe, dass mir – als sensibler Schreiberin und Zuhörerin – dieser Begriff richtig weh tut. Warum sollten Zuhörer das tun wollen oder dazu aufgefordert werden? Der Effekt: Ich kann gar nicht mehr zuhören, was danach noch kommt.

Wie Sie die Enter-Taste für neue Verbindungen drücken: Ich höre lieber Menschen zu, die „es fällt mir gerade nicht ein“ sagen und mich mit reflektierter Wortwahl, Humor, passenden Redewendungen und – sich selbst gegenüber – wertschätzenden Begriffen erfreuen.

  1. „Ich Doofi kann das wieder nicht!“ oder „So was Blödes kann ja auch nur mir passieren!“

Keiner muss alles können. Und jeder Mensch hat seine besonderen Kompetenzen, Erfahrungen, Talente und Stärken. Die gute Nachricht: Wir dürfen aufhören, uns vor anderen selbst herunter zu machen, weil wir etwas nicht können. Sich selbst abzuwerten nervt die Zuhörenden und hilft niemanden. Sollen die anderen wirklich glauben, dass man zu doof ist?

Am Liebsten möchte ich alle, die so etwas sagen, fragen: „Warum wertest Du Dich eigentlich ständig selbst ab?“ Als Zuhörerin fühlt sich das nämlich gar nicht gut an, wenn andere Menschen schlecht mit sich umgehen. Um uns gegenseitig unterstützen und empfehlen zu können, brauchen wir sichtbares Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Nur wer seinen eigenen Wert kennt und anerkennt, kann das auch von anderen Menschen erwarten. Nur eine positive und konstruktive Einstellung wirkt ansteckend!

Wie Sie die Enter-Taste für neue Verbindungen drücken: Kein Mensch kann alles. Einfach die Sachverhalte neutral erklären, warum etwas schief gegangen ist oder um Hilfe bitten, wenn man etwas nicht kann oder versteht. Eine freundliche Bitte zeigt Interesse, Lernbereitschaft und Lösungskompetenz. Keiner wird eine charmante Bitte um Hilfe ablehnen!

Selbstdarstellung online offline

  1. „Ich bin Coach. Berater. Trainer. Manager. Abteilungsleiterin.“

Ach so. Gähn. Bei Allerweltsbegriffen schalte ich ab. Nur selten frage ich nach: Und was machen Sie genau? Die Zeiten haben sich geändert und Begriffe wie „Coach“ oder „Trainer“ sind heute keine Berufsbezeichnungen mehr, sondern Sammelbegriffe. Wer sich nur mit einem solchen Begriff vorstellt, geht das Risiko ein, den Anschein zu erwecken, man gehöre z.B. einer Berufsgruppe an, von der man sagt, dass sie zehn Prozent ihres Einkommens mit ihrem Hobby – Coaching – bestreitet. Doch Sie möchten sich als Experte für ein Gebiet präsentieren und die Menschen dazu einladen, mehr über Ihr interessantes und wichtiges Tun zu erfahren!

Wie Sie die Enter-Taste für neue Verbindungen drücken: Gönnen Sie den Menschen die Information, was GENAU Sie für wen machen. Worin sind Sie Spezialistin? Experte? Gönnen Sie sich den Luxus und finden Sie eine wertige Berufsbezeichnung, an die andere leicht andocken können und die Bilder Ihres spezifischen Nutzens in die Köpfe von Lesern, Zuhörern zaubern. Beispiele und Anregungen dazu finden Sie in meinem Buch „Selbst-PR: Der goldene Weg zu Sichtbarkeit und Erfolg!“ Sie sind es wert!

  1. „Ich mache SEO. Content Marketing Automatisierung. Customer Relationship Mangement.“

WAS machen Sie? Wie viele Fachbegriffe pro Sekunde kann Ihr Gesprächspartner ertragen? Natürlich können Sie eine Expertin als Gegenüber haben. Dann werden Sie auf Anhieb verstanden. Aber es könnte auch jemand sein, der von Ihrem Spezialgebiet keine Ahnung hat – Sie aber trotzdem weiterempfehlen könnte, sobald sie oder er verstanden hat, was Sie eigentlich leisten.

Wie Sie die Enter-Taste für neue Verbindungen drücken: Legen Sie sich gedanklich eine Liste von Schlüsselbegriffen für unterschiedliche Gruppen von Gesprächspartnern bereit und eine einfache Erklärung zu jedem Fachbegriff. Achten Sie bei einer Vorstellung darauf, welche Begriffe in der jeweiligen Situation bei dem Menschen, den Sie vor sich haben, Interesse wecken, Verbindung aufbauen und Resonanz erzielen könnte. Zeigen Sie sich authentisch und stellen Sie sich so vor, wie nur Sie es können!

Die richtigen Worte für unsere Selbstdarstellung: Unser Mindset ist essenziell!

Mit welchem Gefühl schreibe ich meine Texte, halte ich einen Vortrag, stelle ich mich auf einer Party vor, spreche ich meinen Podcast ein oder drehe ich mein Video? Selbstsicher oder vielleicht nicht? Selbstbewusst oder wahrscheinlich nicht? Ich meine übrigens nicht „selbstverliebt“, wenn es um die Selbstdarstellung geht. Auch jemand, der Bescheidenheit zu seinen Tugenden zählt, kann sich wertschätzend präsentieren.

Es ist inspirierend für andere Menschen, wenn wir etwas von uns mitteilen. Wenn wir für unsere Sache kämpfen und die Menschen für uns und unserer Expertise begeistern wollen, müssen wir die Begeisterung für unser Tun demonstrieren. Wir dürfen Haltung zeigen und Orientierung geben. Wenn der Wind stürmisch wird, umso mehr. Da macht uns ein „vielleicht“ als anerkannte Expertin nicht glaubwürdig. Deshalb müssen wir uns die Mühe machen, die richtigen Worte als Türöffner zu finden.

Es gibt so viele Möglichkeiten, eine Quelle der Inspiration zu sein. Und das sind wir vor allem, wenn wir positiv, konstruktiv und voller Selbstvertrauen unsere Stories teilen und auch darüber sprechen, welche Misserfolge wir überstanden, was wir daraus gelernt haben und welche Erfolge wir erzielen.

Immer wieder erlebe ich, wie viel Nutzen Menschen aus den Erfahrungen ziehen, die man in einem Blog oder einem Buch mit der Welt teilt, wie wichtig und bedeutsam sie für sie sind. Die vielen Dankeschöns, die einem auf vielfältigsten Wegen erreichen, sind es wert, dass wir uns in einem positiven, wertschätzenden Licht zeigen. Denn irgendjemand braucht die Botschaft, die Sie als Person mit Ihren Erfahrungen vermitteln. Selbst wenn es nur ein Leser oder eine Zuhörerin ist, dem oder der Sie durch ein Gespräch, einen Tipp in Social Media oder einem tollen Blogartikel einen guten Dienst erweisen können, hat es sich schon gelohnt!

 

Kennen Sie weitere Löschtasten der Selbstdarstellung?