Biff, Don Camillo und gebrochene Herzen: Die Leseempfehlungen zum Herbst des Literarischen Salons

Leseempfehlungen

Die beste Empfehlung für gutes Schreiben? Viel lesen! Im Sommer tagte wieder der Literarische Salon in München. Die besten Lesetipps für einen kuscheligen Bücherherbst verraten wir Ihnen hier:

 Witwe für ein Jahr“ von John Irving (eine Empfehlung von Annegret Kitzmann-Schubert), ISBN-10: 3257233000

Was passt besser zu einem bevorstehenden Urlaub? Irvings wunderbare „Schreibe“ und die 768-Seiten, die spannend wie ein wirklich guter Krimi, mehrere großartig aufgefächerte Psychogramme und dazu einige Liebesgeschichten sind. Langeweile, die ich bei meiner ersten Leseprobe von John Irving, „Das Hotel New Hampshire“ empfunden habe, ist bei „Witwe für ein Jahr“ ein absolutes Fremdwort.

In das Leben der vierjährigen Tochter Ruth Cole tritt der 16-jähige Eddie, der drei Wochen bei ihrem Vater in den Ferien jobbt und mit ihrer Mutter ein genauso langes Verhältnis hat. Mutter Marion verlässt nach dieser Zeit nicht nur den bereits von ihr getrennt lebenden Ehegatten Ted, sondern auch Eddie und vor allem ihre Tochter Ruth. Die Protagonistin Ruth muss außer dem Trauma, dass sie ohne jeglichen Kontakt zu ihrer Mutter aufgewachsen ist, auch damit zurechtkommen, dass und wie ihr beiden Brüder ums Leben kamen. Wir Leser werden mit vielen komischen und humorvollen Geschichten verwöhnt, bis Irving uns endlich den Unfall ihrer Brüder erzählt und wie die Suche nach ihrer Mutter ausgeht.

„Du bist nicht so wie andre Mütter: Die Geschichte einer leidenschaftlichen Frau“ von Angelika Schrobsdorff (eine Empfehlung von Annegret Kitzmann-Schubert) ISBN-10: 3423119160

Außergewöhnlich an diesem Buch ist, dass die Autorin Angelika Schrobsdorff das Leben ihrer Mutter nacherzählt. Das Buch umfasst die Zeit ab den 20-er Jahren, die Nazizeit und die Neuzeit. Ich war überrascht, was für ein extravagantes Leben die Mutter Else bereits in der damaligen Zeit führte. Selbstbestimmt, selbstverständlich und auf sich selbst konzentriert. So stammen auch aus drei Ehen jeweils ein Kind.

Die Art von Else fand ich zum Teil unsympathisch, weil egoistisch, dann aber wieder ungeheuer spannend, weil emanzipiert. Bei all ihrem Tun und Handeln ging sie davon aus, dass immer jemand da ist, der für sie sorgt. Das ging lange gut, bis sie in den Sog der Nazis geriet und ihre Patchwork-Familie aufgeben muss, um nach Bulgarien zu fliehen. Glücklicherweise wartete dort bereits ihr vierter Ehemann, in dessen Schutz sie sich mit Tochter Angelika begeben konnte.

Ich empfinde das Buch als ein Zeitzeugnis, weil es hautnah Einblicke in dieses schreckliche Dritte Reich gibt. Ich konnte wenigstens ein bisschen erahnen, wie es damals gewesen sein muss. Daher lautet meine Empfehlung: Unbedingt lesen!

„Kommunikation als Hardskill: Denken und Handeln wie ein systemischer NLP-Coach“ von Sabine Marquardt (eine Empfehlung von Susanne Wardenga) ISBN-10: 3741220701

Das gerade neu erschienene Buch von Dr. Sabine Marquardt, einer fachlich sehr versierten NLP- und Coach-Ausbilderin, richtet sich an alle, die sich für wirkungsvolle Kommunikation interessieren. Für NLP-Kenner dient es als Nachschlagewerk und zur Einordnung von NLP im Kontext weiterer systemischer Coaching-Methoden. Führungskräften und Personalern bringt es die Kunst des entwicklungsorientierten Führens von Mitarbeitern näher. Coaching, so wie es Dr. Marquardt lehrt und in ihrem Buch beschreibt, will die Eigenverantwortung stärken, persönliche Ressourcen mobilisieren und den Blick für neue Lösungen weiten. Dabei dient Kommunikation der sozialen Interaktion und ist zugleich handelndes Verändern der subjektiven Wirklichkeit. Das Werk ist eine eher anspruchsvolle Lektüre, aber wer sich für die Methode interessiert, findet nicht nur Theorien und geballtes Fachwissen, sondern auch zahlreiche Praxisbeispiele und Grafiken, übersichtliche Zusammenfassungen und Inspiration, u. a. eines meiner Lieblingszitate “Ob Du glaubst, dass Du es kannst, oder nicht. Du hast Recht. (Henry Ford)

„Club der gebrochenen Herzen: Roman“ von Deborah Moggach, ISBN-10: 3458359311

Die Autorin von „Best Exotic Marigold Hotel“ hat einen charmanten Roman geschrieben. Ihr Held: Buffy. Geschieden, die Kinder sind längst aus dem Haus, eine neue Beziehung ist nicht in Sicht. Als er überraschend ein Bed & Breakfast in Wales erbt, beschließt er, noch einmal von vorne anzufangen.

Um das heruntergekommene »Myrtle House« am Laufen zu halten, braucht er kreative Idee. Buffy verwandelt das B&B in einen „Club der gebrochenen Herzen“, in dem frisch Getrennte, Geschiedene und Singles eine Auszeit nehmen können und gleichzeitig praktische Lebenshilfe finden können. Buffys Angebot lockt die verschiedensten Gäste an. Missverständnisse, Verwechslungen und unvorhergesehene Überraschungen nehmen ihren Lauf.

„Die Bibel nach Biff. Die wilden Jugendjahre von Jesus, erzählt von seinem besten Freund“ von Christopher Moore und Jörn Ingwersen, ISBN-10: 3442541824

Offensichtlich fehlen im Buch der Bücher einige Kapitel: Engel Raziel beauftragt Biff, diese Lücke zu füllen und alles über die Kindheit und die turbulente Jugend von Jesus Christus berichten. Biff ist der einzige glaubwürdige Zeuge dieser Zeit, denn er war einst Jesus‘ bester Freund  und stand ihm schon zur Seite, als dieser noch versuchte, vertrocknete Eidechsen zum Leben zu erwecken …

„Edelweißstraße 7 in München-Giesing“ von Maria Stein und Karin Goetz-Dreher, ISBN-10: 3776650001

Wer einen Blick in das alte München werfen will, sollte die Aufzeichnungen von Maria Stein blicken. Ihr ganzes Leben hat sie in der Edelweißstraße 7/III verbracht und sie hat 92 Jahre Giesinger Lebensgeschichte aufgeschrieben: Wer wo gewohnt hat, wie man so gelebt hat und was sich sonst so rund um den Nockherberg ereignet hat. Ein wertvolles Zeitzeugnis Münchner Lebensweise!

„Don Camillo und Peppone: Die Filme mit Fernandel und Gino Cervi von 1952 bis 1970“ von Reiner Boller, (eine Empfehlung von Daniela Heggmaier) ISBN-10: 3862653633

Viele Babyboomer kennen die Filme über Don Camillo und Peppone aus ihrer Kindheit. In diesem Jahr habe ich den Ort Brescello, in dem die Abenteuer des katholischen Priesters und des kommunistischen Bürgermeisters in der Po-Ebene in Norditalien gedreht wurden, besucht. Dort gab es ein Museum zu den Filmen und man kann die Kirche besichtigen, in dem Don Camillo seine Zwiegespräche mit Jesus führte. Aus dem Museum habe ich mir dieses Buch mitgenommen, in dem die Geschichte der Don-Camillo-Filme erzählt wird: Von der Vorgeschichte, den ersten Film „DON CAMILLO UND PEPPONE“ aus dem Jahr 1952 bis zum sechsten und letzten, nicht fertig gestellten Film. Die literarischen Figuren stammen aus der Feder des Italieners Giovannino Guareschi und auch über sein konfliktreiches Leben erfahren wir einiges. Eine Leseempfehlung für alle Nostalgiker!

„Rudolf Steiner: Leben und Lehre Gebundene Ausgabe“ von Heiner Ullrich, (eine Empfehlung von Daniela Heggmaier) ISBN-10: 3406612059

Einmal alles über den rätselhaften Rudolf Steiner, Begründer der Waldorf-Pädagogik, erfahren: Mit diesem Wunsch bin ich an dieses Buch gegangen. Um es gleich zu sagen: Kein Buch, das man so zwischendurch liest.

Erstes Kapitel: Kindheit und Jugend in der Fremde – Student und Hauslehrer in Wien – Archivar in Weimar – Leben in Berlin – Der weltanschauliche Führer – Der Weg ins Goetheanum und Neue Zeiten, neue Konzepte.

Zweites Kapitel: Dier Lehre Rudolf Steiners auf der Basis des Goetheanismus und die Entwicklung der Anthroposophie sowie ihrer Anwendungsbereiche, z.B. in der Erziehung, der Medizin und in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Drittes Kapitel „Rezeption und Kritik“, viertes und letztes Kapitel: Die Grundzüge der Waldorfpädagogik, die 1919 als Schule für die Waldorf-Astoria-Zigarrenfabrik begann, und eine weltweite Schulbewegung in Gang setzte.

In dem Buch habe ich einen guten Überblick über das Leben und das Werk Steiners erhalten, auch wenn die Sprache nicht wirklich locker und flockig war. Einige Fragen im Lebenslauf Steiners sind für mich offen geblieben, aber wahrscheinlich aufgrund der Breite seines Wirkens auch nicht in einem Buch darzustellen.

Der Literarische Salon trifft sich regelmässig in München, damit wir uns gegenseitig auf interessante Bücher aufmerksam machen und wir uns inspirieren können.

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