Sommer in Harlaching: Kindheitsspaziergänge und der Wert von Ideen

Biergarten Harlaching

Ein Münchner Sommer? Der fand in meiner Kindheit in Harlaching statt, bei der Oma. In einem Leben ohne Auto, langen Spaziergängen im Perlacher Forst, am Isarhochufer und den wunderschönen Villenvierteln dieses besonderen Stadtteils im Süden von München. Über autobiografisches Schreiben, die zwei Blogparaden „Sommer in der Stadt“  und „Wert von Ideen“  und was der Blick über den Gartenzaun damit zu tun hat.

Die eigene Biografie zu erkunden ist eine der schönsten Aufgaben überhaupt: Das Schreiben ermöglicht es mir nicht nur Zusammenhänge zu erkennen und Selbsterkenntnis zu gewinnen, sondern auch besondere Lebensschätze zu finden und zu bewahren. Das autobiografische Schreiben ist eine Quelle der Inspiration für mich, vor allem, wenn es darum geht, in die eigene Zukunft zu blicken und sie zu gestalten.

Meine Sommer in München haben mir als Kind Ideen für Lebensentwürfe gezeigt, die ich als Münchner Umlandkind noch nicht kannte: Das Leben der Künstler, Sänger, Schauspieler. Ihre Herausforderungen, z.B. das „Berühmtsein“ und biografischen Entwicklungen, wenn das Alter den Übergang von der Praxis in die Lehre verlangt.

Einige dieser Lebens-Ideen und Biografien sind mir in Erinnerung geblieben, waren prägend und bedeutsam. Aber erst ein autobiografischer Spaziergang durch Harlaching, den ich für die Blogparade „Sommer in der Stadt“ unternommen habe, zeigte mir, wie viele dieser Ideen aus den Harlachinger Sommern ich in meinem jetzigen Leben umgesetzt habe: Ein künstlerisches Leben mit viel Zeit in der Natur.

Ruhig geht es zu in dem Teil von Harlaching, der an den Perlacher Forst angrenzt.
Ruhig geht es zu in dem Teil von Harlaching, der an den Perlacher Forst angrenzt.

Der Wert von Ideen – ich habe ihn oft erst nach vielen Jahren erkannt. Weil ich mit diesem Beitrag auch an der Blogparade „Der Wert von Ideen“ teilnehme, möchte ich Euch autobiografische Spaziergänge ans Herz legen! Die Begegnungen mit den Menschen in Harlaching haben mir in meiner Kindheit nicht nur wertvolle Ideen, sondern auch Ideen für Werte geliefert, die ich mit Hilfe des kreativen Schreibens immer wieder zutage fördere. Reflektieren, darüber schreiben – das zeigt mir den Wert von Ideen, lässt mich erkennen, welcher Funke übergesprungen ist und welches Leuchten in meinem Leben welche Idee entfacht hat:

Ich glaube, dass wir einen Funken jenes ewigen Lichts in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muss und welches unsere schwachen Sinne nur von Ferne ahnen können. Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu lassen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht. – Johann Wolfgang von Goethe

Harlaching: Architektur und Natur in der Fülle

Doch sehen wir uns diesen besonderen Ort und seine Sehenswürdigkeiten erst einmal an: Harlaching gibt es schon seit 1150, damals wurde es unter den Namen „Hadaleichingen“ erstmals erwähnt. Rund um die Wallfahrtskirche St.-Anna entstand eine kleine Siedlung, die 1854 mit ca. 50 Einwohnern nach München eingemeindet wurde.

Und dann wurde gebaut und gebaut. Kleine Stadtvillen entstanden, z.B. in der Villenkolonie Menterschwaige, in denen sich u.a. zahlreiche Prominente, Filmstars und Opernsänger niederließen. Die Beliebtheit dieses Wohnviertels hat das Harlaching meiner Kindheit in den 70ern und 80ern jedoch verändert. Die Verdichtung der Bebauung scheint keine Grenzen zu kennen. Nur drei Beispiele:

  • Wo einst der Star im Pool schwamm, prangt heute ein Anbau an der Künstlervilla – zusätzlich zu einem weiteren Mehrparteienhaus, das den großzügigen Garten und das Saunahaus von einst ersetzt.
  • Das besondere „Neuner“-Postgebäude in der Harthauserstrasse ist jetzt ein Wohnhaus. Nur die beiden „Post“-Schilder am Eingang lassen die ehemalige Nutzung des Gebäudes noch erkennen.
  • Und der wunderbare Tante Emma-Laden von Frau Rützel an der Kriegerstraße mit den handgeschriebenen „Kassenzetteln“ ist heute ebenfalls ein Wohnhaus.
Parallel zur Harthauserstrasse in Harlaching verläuft der Spazierweg des Isarhochufers.
Parallel zur Harthauserstrasse in Harlaching verläuft der Spazierweg des Isarhochufers.

Ihr wollt Sommertage in Harlaching verbringen?

Dann gibt’s viel zu tun: Harlaching erreicht Ihr am besten mit der U1, Haltestelle Mangfallplatz, sowie den Straßenbahnlinien 15 und 25, Haltestellen Südtiroler Straße – Tiroler Platz – Authariplatz – Theodolindenplatz – Klinikum Harlaching – Menterschwaige – Großhesseloher Brücke.

Die Trambahn ist übrigens das Verkehrsmittel meiner Wahl: Es gibt viel zu sehen auf dem Weg nach Harlaching und der Weg ist das Ziel. Wer’s authentisch liebt beim Trambahnfahren, dem empfehle ich übrigens das Stück des Volkssängers Weiß Ferdl „Ein Wagen von der Linie 8“ anzuhören. Es gibt einen guten Überblick über den Jargon dieses traditionsreichen Münchner Verkehrsmittels wieder.

Menterschwaige Harlaching

Ein Spaziergang zum Biergarten

Die Harthauserstrasse führt ausgehend vom Theodolindenplatz entlang dem Isarhochufer zum Gutshof Menterschwaige, einem Restaurant mit Biergarten direkt am Isarhochufer. Die großen Biergarten-Kastanien bieten im Sommer viel Schatten für ausgedehnte Schreibtage im Freien. Das Isarhochufer ist ein grünes Paradies für Jogger, Hundebesitzer und Radfahrer. Architekturinteressierte finden hier geschichtliche Hintergründe zu den historischen Gebäuden der Villenkolonie.

Perlacher Forst

Ein Spaziergang in den Perlacher Forst

Die Isar markiert im Westen die Grenze von Harlaching zu Thalkirchen, im Süden begrenzen Harlaching die riesigen Waldflächen des Perlacher Forstes. Dieses Waldgebiet ist eine der grünen Lungen von München. Radfahrer wie Spaziergänger besuchen dort gerne die Kugler-Alm, einen Biergarten mit Spielplatz in Deisenhofen am südöstlichen Rand des Perlacher Forstes. Wer im Sommer schattige Spazierwege sucht, findet im Perlacher Forst eine riesige Auswahl an Strecken. Wer gerne einen Überblick bekommen möchte, sollte zum „Muggl“ gehen, ein 26 Meter hoher Aussichtsberg, von dem man bei gutem Wetter einen schönen Blick über den Perlacher Forst bis zum Alpenhauptkamm hat.

Der Perlacher Forst bietet eine Fülle von Ausflugszielen.
Der Perlacher Forst bietet eine Fülle von Ausflugszielen.

5 Lieblingsplätze in Harlaching und um Harlaching herum:

  1. Am hohen Isarufer in der Nähe des Tierparks Hellabrunn befindet sich die aus dem 12. Jahrhundert stammende Wallfahrtskirche St. Anna.
  2. Von dort ist es nur ein Katzensprung in den Tierpark Hellabrunn im benachbarten Stadtteil Thalkirchen.
  3. Für Fußballfans ist das Trainingsgelände des FC Bayern München an der Säbener Straße ein großer Anziehungspunkt.
  4. Die Auer Dult ist ein traditioneller Jahrmarkt in München. Sie findet dreimal jährlich auf dem Mariahilfplatz im benachbarten Münchner Stadtviertel Au statt. Die Jakobidult findet Ende Juli, Anfang August statt.
  5. In der Bavaria Filmstadt in Geiselgasteig kann man in geführten Touren einen Einblick in das Filmgeschäft nehmen.
Die Auer Dult findet meist in der ersten Woche der bayerischen Sommerferien statt.
Die Auer Dult findet meist in der ersten Woche der bayerischen Sommerferien statt.

Was bedeutet für mich „Sommer in der Stadt“?

Für mich bedeutet es Zeit und Ruhe im Süden von München, im Wald, mit viel frischer Luft und Natur, mit Straßenbahnfahren, Gehen, Gehen, immer wieder Gehen, Einkaufen bei Frau Rützel und in Ruf‘s Gemüseladen, ein Blick über den Gartenzaun bei Schauspielerinnen und Opernstars, Kochen mit meiner Oma und Begegnungen mit meinen Wurzeln.

Für mich bedeuten meine Sommer in Harlaching, den Wert der Ideen aus verschiedenen Biografien und Lebensentwürfen der Menschen, die ich in diesem Stadtviertel kennenlernen durfte, zu erkennen und zu schätzen. Und darüber zu schreiben und dankbar dafür zu sein.

Was macht für Euch einen typischen Münchner Sommer aus? Wie denkt Ihr über den Wert von Ideen?

Ein Eintrag zu „Sommer in Harlaching: Kindheitsspaziergänge und der Wert von Ideen

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