Das Erfolgsvermeider-ABC für die Sichtbarkeit im Netz

Das Erfolgsvermeider-ABCZuviel oder zu wenig Präsenz mit unrelevanten Inhalten, z.T. in den falschen Social Media-Kanälen gepaart mit fehlender Dialogbereitschaft, einem mangelnden Sicherheitsbewußtsein und Zukunftsdenken – es gibt so viele Stolpersteine und digitale Todsünden, die häufig einen wirksamen Auftritt im Netz verhindern. Auf den Digital Lifestyle und ein mit anderen Menschen zu gegenseitigem Nutzen vernetztes Leben in den Social Media sind viele Solopreneure und Unternehmen einfach noch nicht vorbereitet – das beobachte ich immer wieder. In diesem – in keinster Weise ernst gemeinten ABC – habe ich die meiner Erfahrung nach derzeit erfolgreichsten digitalen Erfolgsvermeidungsstrategien und kontraproduktiven Geisteshaltungen in Sachen Online-Marketing und PR zusammengefasst.

Analogfokussierung – Internet? Brauchen wir nicht. Das geht wieder weg!
Bildmangel – Text läuft. Beiträge posten wir in den Social Media-Plattformen immer ohne Bilder. Dafür haben wir doch kein Geld!
Bloglosigkeit – eine eigene Plattform aufbauen? Lass mal, wir haben eine Webseite und posten so viermal pro Jahr in Facebook.
Budgetvermeidung – Geld für die Präsenz und Kommunikation im Web? Nö. Die Facebook-Seite macht die Kollegin am Empfang.
Copyandpasteitis – Content und Bilder selbst erstellen? Ist doch wie Eulen nach Athen tragen. Wo die Infos und Fotos herkommen interessiert doch eh keinen.
Datenschützer-Bashing – wir haben doch nichts zu verbergen! Wir schicken auch vertrauliche Daten immer über WhatsApp. Ist so praktisch und kostet nix!
Detailallergie – kontinuierliche Qualitätskontrolle der Webangebote? Nö. Merkt doch eh keiner, wenn die Webseite gehackt ist.
Dialogphobie – wir posten was wir denken. Fragen an die Leser? Nee, wirklich nicht. Wer soll denn das auch beantworten?
Digitalfokussierung – 1.000 Facebook-Freunde sind besser als gar kein sozialer Kontakt. Ich erledige alles im Netz. Sonst müsste ich ja rausgehen. Und abends bin ich ja am PC.
Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hyde-Syndrom – Wenn mich was aufregt, dann schreib ich gleich einen Kommentar. Wos wohr is, muas gsogt werdn! Je emotionaler, desto besser. Konflikte im Büro fahre ich nur per Email mit cc an alle.
Einbahnstraßenkommunikation – wir posten viel, aber die Sachen der anderen teilen? Nö. Kommentare, Hinweise interessieren uns nicht. Aber hast Du meine Selfie-Serie gesehen?
Emailignoranz – Einen Email-Newsletter sollen wir machen? Liest doch eh keiner. Email ist tot. Wir haben weder die Datenbank dafür, noch die Zeit.
Experimentierfreudigkeit – sollte ich mir spaßeshalber einen Doktortitel zulegen?
Extremoffenheit – ich poste möglichst frühzeitig alle Urlaubsdaten für das gesamte Jahr in Facebook, und dann auch poste ich auch noch live aus dem Urlaub. Meine Nachbarn leeren doch den Briefkasten.
Facebook-956-Freunde – Fanpage? Nie gehört.
Fachidiotschlägtkundentot – je technischer die Begriffe und je mehr Abkürzungen in den Texten, desto beeindruckender. Schließlich sind wir Experten!
Faktenfaktenfakten – Storytelling ist nur was für kleine Kinder.
Fortschrittsignoranz – pikante Fotos, Videos mit dem Handy aufnehmen? Wieso nicht? Dass Hacker, Privatdetektive und andere Organisationen diese vom Handy auslesen können, ohne dass man es merkt, ist doch nur ein Gerücht!
Gefahrensuchertum – Backup und Datensicherheit sind was für Zebrastreifenbenutzer. Das Standard-Passwort lautet 1234, steht auf dem Post-It am Bildschirm und ist zur Sicherheit mit wasserfestem Stift auf das Laptop geschrieben. Ganz klar öffnet man jeden Email-Anhang und lädt sich auch aus unbekannten Webseiten Software runter.
Gier – wir lassen jede Werbung auf den eigenen Webangeboten zu, z.B. Anzeigen für Bauchwegprogramme, Haarwuchsmittel etc. Hauptsache, der Rubel rollt!
Grenzenlosigkeit – Beruf und Privatleben kann man nicht mehr trennen und unsere Geschäftspartner interessieren doch meine Partyerlebnissen vom Wochenende auch?
Inseldenken – ich stell das in den Blog, das reicht. Influencer, andere Blogger und klassische Medien? PR? Liest, hört, sieht doch eh keiner! Und die Zeitungen sterben aus.
Kanalverirrung – wir sind halt in Facebook. Wo unsere Kunden sonst noch so sind – das wissen wir eigentlich garnicht.
Kommunikationsperformer – am Flughafen, in der Bahn kann ich so laut telefonieren, wie ich will und den Müller so richtig rund machen. Und die Schrift auf meinem Laptop ist so klein, da kann keiner mitlesen.
Komplizentum – wir machen alle privaten Geburtstags- oder Adressdaten öffentlich, auch die von Kollegen und der Familie, da ist doch nichts dabei?
Kontaktgier – ich bestätige jede Freundschaftsanfrage – auch mit Unbekannten.
Kontinuitätsmangel – was kümmern mich mein Geschwätz und meine Positionierung von gestern? Eine Contentstrategie fahren nur Chefwitzlacher.
L’État, c’est moi!-Weltbild – warum sollten wir die Webangebote an den Bedürfnissen und Erwartungshaltungen der Zielgruppen ausrichten? Interessant ist, was der Chef gerne liest!
Matrixexistenz – was die Suchmaschine liefert, ist die Realität. Mehr ist da nicht!
Mitteilungsfreudigkeit – über Unternehmensinterna kann man doch auch mal in Social Media oder per Email sprechen? Muss doch mal gesagt werden!
Ochistdassüüüüüß-itis – täglich poste ich mindestens 20 private Fotos von den Kindern, Hunden, Katzen auf Facebook und anderen Social Media-Plattformen. Ich krieg da so viele Likes!
Overselling – ich poste und kommentiere eigentlich den ganzen Tag. Ich poste, also bin ich.
Platzhirschentum – habt Ihr es schon gepostet? Unser Konkurrent hat doch ein Projekt verbockt!
Profilvermeidung – Authentizität, persönliche Note? Bezug zur Unternehmenspersönlichkeit? Unverwechselbarkeit und Originalität? Solche Katzenbilder haben nur wir!
Quantitätsmaximierung – wir kaufen unsere Likes, dann geht’s schneller.
Quellenignoranz – ist doch egal, aus welchen Seiten die Videos kommen, die ich poste, Hauptsache lustig!
Respektlosigkeit – ist doch lustig, das peinliche Foto von der letzten Weihnachtsfeier, auf dem der Müller… Habs gleich in Facebook und ins Intranet gestellt.
Shitstormmagnetismus – wenn etwas schief läuft? Leugnen!
Smartphoneautismus – der durchschnittliche Mann checkt ca. 80mal pro Tag sein Smartphone? Das kann ich öfter. In Gesprächsrunden schau ich eigentlich dauernd drauf.
Smartphoneomnipräsenz – Work-Life-Balance, was ist das?
Strategiemangel – Plan? Ziele, Erfolgskontrolle für Social Media-Aktivitäten? Nicht mit uns! Läuft doch!
Teasereliminierer – Links stellen wir immer so in Facebook oder Xing. Sollen die Fans doch selber rausfinden, warum wir das gepostet haben!
Themenbreitenmaximierung – Politik, Religion, Krankheiten – wenn man schon nicht im Smalltalk drüber reden darf, dann wenigstens online?
Vertrauensseligkeit – ich soll nicht jedem Online-Händler die Konto- und Kreditkartennummer sowie alle persönlichen Daten geben? Ich kauf‘ überall ein, Hauptsache billig.
Vorschriftenignoranz – Impressumspflicht und Datenschutz-informationen in der Webseite, im Blog, bei Facebook, XING oder LinkedIn? Nie gehört!
Wellensyndrom – wir machen halt was, wenn wir Zeit haben. Mal drei Monate offline gehen, dann vier Wochen posten was geht.
Wert(e)losigkeit – Unternehmens-Werte? Ich verstehe die Frage nicht?
Wortdiarrhoe – erst posten, dann denken.
Zuständigkeitsdefizit – Social Media Guidelines sind was für Schattenparker, Social Media Schulungen für Weicheier: Bei uns postet jeder nach Gutdünken!

Welche ist die in Ihren Augen erfolgreichste digitale Erfolgsvermeidungsstrategie?