Schreiben im Museum: Neu kombiniert mit Lorna Simpson

Haus Der Kunst

Alles war schon mal da. Sagt Austin Kleon in seinem wunderbaren Buch „Alles nur geklaut“. Die Aufgabe der Künstler ist es, die Dinge stets neu zu kombinieren. Dieses Prinzip hat auch die amerikanische Fotografin und Videokünstlerin Lorna Simpson umgesetzt. Sie kombiniert Fotografien aus dem Leben fremder Menschen mit ihren eigenen, schlüpft in deren Rollen und Kleider, schöpft etwas ganz neues daraus. Nach dem Besuch ihrer Ausstellung weiß ich nicht, welche der 57 neuen Schreibideen in meinem Kopf zuerst auf das Papier fließen sollen…

Diese Woche im Haus der Kunst: Lorna Simpson kann vieles, ihre Fotografien sind sensationell, die Drucke auf Filz betörend, ihre Bilder und Collagen vieldeutig. Am meisten hat mich ihre Idee fasziniert, Nachlässe fremder Menschen aufzukaufen. Mit den darin gefundenen Portraits arbeitet sie. Alte Automaten-Fotos fügt sie mosaikartig in kleinen Rahmen zu einem großen Ganzen zusammen. In den jüngsten Arbeiten der Künstlerin stellt sie Replikationen von Fotografien der 1950er-Jahre nach. In einer meterlangen Serie von Handteller-großen Schwarzweiß-Fotos in quadratischen weißen Rahmen kombiniert sie die Portraits einer unbekannten Frau und deren Mann mit Fotos, in denen sie selbst die Position und Mimik der Dargestellten einnimmt. Aus den Motiven heraus entwickelt sie sogar eine dreiteilige Videoperformance namens „Chess“.

Die Nachlässe fremder Menschen als Schreibinspiration? Welche Geschichten erzählen Tagebücher, Fotos, Briefe? Wenn wir über Menschen schreiben, schlüpfen wir immer in deren Kleidung, nehmen deren Körperhaltung an, wandeln in deren Schuhen. Diese Methode hilft, sich ganz einzufühlen. Doch: Immer bleiben wir wir selbst. Die Schuhe des anderen und mein Kopf: Daraus entsteht etwas Neues. Lorna Simpson kombiniert Text und Bild. Wir können Bilder kombinieren und dazu schreiben. Geschichten über die abgebildeten Menschen in der Ausstellung. Über die Menschen, die die Bilder betrachten. Über die Bilder, die zu den Bildern in meinem Kopf entstehen.

Wer sich von Lorna Simpson zum Schreiben animieren lassen möchte: Die Ausstellung ist noch bis 2. Februar 2014 im Münchner Haus der Kunst zu sehen. Wer Lust auf das Abenteuer „Schreiben im Museum“ bekommen hat, dem empfehle ich den inspirierenden mehrteiligen Artikel „Creative writing project“ in der Webseite des Londoner Victoria & Albert Museums. Und wer sich für das Niederschreiben autobiografischer Texte interessiert, findet hier eine Reihe aktueller Schreibwerkstätten für 2014.

In welchem Museum schreibt Ihr am Liebsten?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s