Teetintenherz – wie ein paar Blättchen und kochendes Wasser zum Schreibelixier werden

Auf Reisen genieße ich Tee beim Schreiben. An Orten, die man gemeinhin als „Café“ bezeichnet und nicht als „Tee“. Ich nehme mein Notizbuch und schreibe einfach drauf los. Schreibdenken nennt Ulrike Scheuermann das, eine wunderbare Methode, um das Durcheinander der ToDo’s im Kopf, die Reiseerlebnisse, die herumfliegenden Ideen zur Ruhe kommen zu lassen. Was man beim Schreiben in Cafes und beim Teetrinken alles erleben kann:

Wie die Schneeflocken in einer Schneekugel senken sich durch das Schreiben die Gedanken, die Buchstaben auf dem Papier schaffen Frieden. Dazu die Tasse Tee, Earl Grey oder Irish Afternoon. In den Schreibpausen beobachte ich die anderen Menschen im Café und lasse mich durch sie inspirieren. Der feine Duft des Tees regt mein Denken an. Der Tee wärmt von innen.

Das Schreibdenken auf Reisen genieße ich am Liebsten in England oder Irland. Denn da wird Tee in den meisten Fällen mit Liebe zubereitet – und zählt vor allem zu den bekannten Alternativen zum Kaffee. Das ist nicht überall so. Meine Liste internationaler Tee-Erfahrungen weist wunderschöne Teemomente auf, aber auch solche, die durchaus nicht auf der Genussliste ganz weit oben anzusiedeln sind. Teetrinken in Italien ist so ein Beispiel, wo der irgendwo hergekramte Teebeutel in einer Espressotasse landete, mit der Espresso-Wassermenge aus der Kaffeemaschine aufgegossen und auf das Tablett in der Cafeteria der Autobahnraststätte gedonnert wurde.

#TeaFail – Teeglas, Kaffeesahne. Ohne Worte.

Manchmal ist Teetrinken auch in Deutschland eine Herausforderung

Denn die Gaststättenausrüster haben wohl in grauen Vorzeiten einmal beschlossen, dass es eine gute Idee sei, Tee in Teegläsern zu servieren. Wahrscheinlich stand ein ehemaliger Autogrill-Mitarbeiter an der Spitze der Produktentwicklung. Oder genießen andere Menschen Brandblasen an dem im Miniaturhenkel stecken gebliebenen Finger? Oder wollen die meisten Teetrinker den köstlichen Teeduft einfach nicht riechen und sind deshalb an besonders geringen Durchmessern  der durchsichtigen Teegefängnisse interessiert? Oder wollen sich die meisten Café-Besucher ihre kalten Hände nicht einfach nur aufwärmen, sondern sich gleich ordentlich am dünnen Teeglas verbrennen?

Ich kann so nicht arbeiten!

Herausforderungen beim Teebestellen gibt es viele. Auf der #TeaFail Hitliste ganz oben: Gar kein Tee im Angebot. So erlebt bei einem Barcamp im München. Oder: Es gibt keinen Schwarztee. Wenn, dann nur lasche Sorten ohne Geschmack. Oder: Es gibt keine frische Milch dazu. Oder keinen Honig. Der Tee wurde nicht mit kochend heißem Wasser aufgebrüht, sondern das Wasser kommt lauwarm bei mir an, damit ich den Teebeutel oder das viel zu volle Teesieb dann erst reinhängen kann. Oder: Das heiße Wasser riecht eindeutig nach Kaffee! Spitzenteeglaserlebnis in einem Münchner Café: Ich: „Würden Sie mir den Tee bitte nicht in einem Glas, sondern in einer der schönen großen Cappucino-Tassen da drüben servieren?“ In der Bar stehen ca. 20 frische Tassen. Außer mir sind noch zehn Personen im Raum. Bedienung: „Nein, das geht leider nicht. Wir haben zu wenig von den Cappucino-Tassen.“ Ach so.

Köstlicher Tee im Hotel Bayerischer Hof in München

Teekultur sieht anders aus: In München kann man z.B. wunderbare Teerfahrungen im Hotel Bayerischer Hof oder im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski machen. Erleuchtende Schreibstunden mit Tee empfehle ich außerdem in einer der Filialen von „The Victorian Teehouse“. Dort gibt es Ruhe, Menschen im Service, die etwas von Tee verstehen und eine große Auswahl unterschiedlicher Sorten. Da fällt mir das Schreibdenken noch viel leichter!

In meinem Lieblingsblog las ich vor kurzem einen Artikel darüber, wie Leo Babauta mit einem Daoistischen Teemönch einen besonderen Teemoment erlebte. Der Mönch verriet ihm, dass man – damit der Tee den Menschen verändern kann – ihm einen heiligen Raum im Herzen schaffen sollte. Eine traumhafte Schreibinspiration: Wie fühlt sich so ein heiliger Ort an? Was kann da außer Tee sonst noch Platz haben? Leo Babauta meint: Wenn man einen heiligen Raum in seinem Herzen für etwas schafft, ändert sich die Art und Weise, wie man etwas tut. Er verändert den Menschen auf der molekularen Ebene.

Wie ist das bei Ihnen? Wenn Sie wollen: Schreiben Sie doch darüber, welche drei Dinge, Handlungen, Menschen einen solchen heiligen Raum in Ihrem Herzen bekommen und wie sie ihn erschaffen? Und vielleicht haben Sie später auch noch Lust, darüber zu schreiben, ob und wie der heilige Raum etwas verändert hat?

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2 Kommentare zu “Teetintenherz – wie ein paar Blättchen und kochendes Wasser zum Schreibelixier werden

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