Büchersommer: Von Hasen, Bauchtanz und heiler Welt am Freitisch

Das Lächeln der Frauen an der Alster

Zum sechsten Mal trafen sich die Frauen des Bücherclubs im Literaturhaus München. Das Ergebnis: Acht interessante Bücher, die man in den Urlaubskoffer legen sollte, und neue spannende Verbindungen in Sachen Schauspiel, Tanz und Literatur…

Das erste Buch schildert die spannende Familiengeschichte von Edmund de Waal: „Der Hase mit den Bernsteinaugen: Das verborgene Erbe der Familie Ephrussi“ heißt das Buch, in dem sich der Autor auf Spurensuche nach der Familiengeschichte begibt, die ihn vom Paris der Belle Époque ins Wien des Fin de siècle führt und vom Tokio der 1950er Jahre über Odessa nach London.

Buch Nummer zwei ist auch eine Familiengeschichte, jedoch spielt sie in den neunziger Jahren in Deutschland: „Die mit dem Bauch tanzt: Eine ostwestfälische Familiengeschichte“. Diese Geschichte, hat die Autorin Ella Carina Werner selbst erlebt und sie beschreibt den wundersamen Aufstieg ihrer Mutter zur berühmtesten Bauchtänzerin von Ostwestfalen- Lippe. Eine heitere Sommerlektüre für alle, die etwas zum Lachen lesen möchten.

Eine ebenso leicht verdauliche Strandlektüre ist der Roman „Das Lächeln der Frauen“ von Nicolas Barreau über die junge Restaurantbesitzerin Aurélie. Von Liebeskummer geplagt entdeckt sie in einer kleinen Buchhandlung einen Roman, der gleich in den ersten Sätzen nicht nur ihr Lokal, sondern auch sie selbst beschreibt. Als sie den Autor des Buchs kennenlernen möchte, entstehen amouröse Verwicklungen.

Dass man Verwicklungen auch konstruktiv nutzen kann, lernen wir aus dem Buch „Odysseus oder Die Kunst des Irrens: Philosophische Anstiftung zur Neugier“ von Rebekka Reinhard. Sie beschreibt darin, warum der Umweg das Ziel ist und ruft dazu auf, das Leben von seiner spannendsten Seite her kennenzulernen – der unvorhersehbaren. Rebekka Reinhard analysiert die Ursachen und Symptome unseres Sicherheitsdenkens aus philosophischer Sicht und präsentiert den irrenden Helden Odysseus als Gegenentwurf. Dazu kommen spannende philosophische Gedankenexperimente.

Einen irrenden Helden fanden wir im Roman „Heile Welt“ von Walter Kempowski. Matthias Jänicke heißt er, ist Lehrer und nicht mehr ganz jung. In einem idyllischen Heidedorf in den 60er Jahren tritt er seine erste Stelle an. Doch bald muss er erkennen, dass fast jeder Dorfbewohner etwas zu verbergen hat. Er versucht sich in dieser Welt zu etablieren, doch er bleibt ein Außenseiter, der die Zeit nach der Schule mit der Jagd nach Antiquitäten und amourösen Abenteuern zubringt.

Von Kindern, die sich als Außenseiter fühlen, handelt das Buch „Third Culture Kids: Aufwachsen in mehreren Kulturen“ von David E. Pollock, Ruth van Reken und Georg Pflüger. Es beschreibt Kinder, die in unterschiedlichen Kulturkreisen aufwachsen, was das Leben dieser so genannten Third Culture Kids ausmacht, welchen besonderen Problemen sie begegnen und welche speziellen Chancen sich diesen globalen Nomaden eröffnen.

Eine globale Nomadin war auch Mascha Kaléko. Sie ist die Autorin von „Das lyrische Stenogrammheft. Kleines Lesebuch für Große“, ihre Gedichte handeln von Liebe, Abschied und Alleinsein und von der Sehnsucht. Die Lyrikerin Mascha Kaléko wurde 1907 als Tochter eines russischen Vaters und einer österreichischen Mutter geboren. Nach Schul- und Studienjahren in Berlin wurde sie 1930 für die „Vossische Zeitung“ entdeckt. Hier und im „Berliner Tagesblatt“ erschienen jahrelang ihre Gedichte, die sie rasch zu einer literarischen Berühmtheit der alten Reichshauptstadt und über ihre Grenzen hinaus bekannt machten. Seit 1938 lebte die Dichterin als amerikanische Staatsbürgerin in New York. Mascha Kaléko starb nach jahrelangem Aufenthalt in Jerusalem im Januar 1975 in Zürich. Diesen Buchtipp verdanken wir Janet Bens und wer möchte, kann die Rezensentin am 24. Oktober 2012 live sehen beim TheaterMittwoch in der Schranne Dachau mit dem Programm „Ich bin die Rinnsteinprinzessin…“.

Und das Besondere dieses Abends: Eine Bücherclub-Frau hatte gleich mehrere Bücher dabei, eines davon war „Freitisch“ von Uwe Timm. Zufällig saß der Autor selbst im Literaturhaus München und die Buchbesitzerin bekam eine persönliche Widmung für das Buch! Und weil neben dem Autor gerade Tilman Spengler saß, der an diesem Abend die Laudatio zum Münchner Übersetzerpreis 2012 gehalten hatte, wurde eine weitere Bücherclubfrau glückliche Besitzerin eines Autogramms ihres Lieblingsautors!  Unser Fazit: Es gibt keine Zufälle!

5 Kommentare zu “Büchersommer: Von Hasen, Bauchtanz und heiler Welt am Freitisch

  1. Dem kann ich mich nur anschließen. Es war ein wunderbarer Abend und ich habe die herrliche Atmosphäre mit so ganz unterschiedlichen taffen Damen und ihren Buchvorstellungen sehr genossen. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Mal. Janet

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  2. Liebe Daniela, dank dir für die Liste und für deine treffenden Worte. Ich bin richtig glücklich nach Hause gefahren, weil ich an diesem Abend bei euch so interessante, inspirierende Frauen mit ebensolchen Büchern getroffen habe. Ich wuerde mich sehr über ein Wiedersehen mit euch freuen…. Herzlich Tina

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